Autor-Archive: Susanne Geu

Wissenschaftliches Selbstmarketing mit ORCID und Google Scholar

Wissenschaftliches Selbstmarketing mit ORCID und Google Scholar

Brauchst du als Wissenschaftler*in eine ORCID ID (Open Researcher and Contributor ID)? Was bringt dir ein Google-Scholar-Profil für deine akademische Karriere? Kurz gesagt: Wie funktioniert Selbstmarketing mit ORCID und Google Scholar?

Wenn du dir diese Fragen stellst, findest du in diesem Blogartikel kurze, knackige Erklärungen dazu,

  • was eine ORCID ID ist und wozu du sie brauchst,
  • wozu Google Scholar gut ist und wie du dein eigenes Profil erstellst,
  • sowie meine persönliche Einschätzung dazu, wie du beides für dein wissenschaftliches Selbstmarketing am besten nutzt.

Also, lass uns gleich loslegen und als erstes einen Blick auf die lebenslange Wissenschaftler*innen-Nummer werfen.

Was ist ORCID?

ORCID ist die Abkürzung für Open Researcher and Contributor ID. Obwohl es doppelt gemoppelt ist, von der ORCID ID zu sprechen, hat es sich etabliert und ich behalte das ebenfalls in diesem Blogartikel so bei.

Es handelt sich um einen alphanumerischen Code, der dich als Wissenschaftler*in eindeutig identifizierbar und auffindbar machen soll. Unabhängig von Namensvarianten, Namenswechseln (durch Heirat) oder unterschiedlichen (internationalen) Schreibweisen.

Die 16 Zahlen sind in vier Blöcke unterteilt und durch Bindestriche voneinander getrennt, also z.B. 0000-0012-3456-1234. Deine ORCID ID kannst du ein Leben lang nutzen, denn sie ist unabhängig von Arbeitgebern und Forschungseinrichtungen.

ORCID existiert weltweit. Seit 2012 können sich Wissenschaftler*innen registrieren. Im Moment (Stand: 29.11.2022) existieren laut Statistik-Website von ORCID 15,5 Mio. Live ORCID IDs.

Wozu brauchst du eine ORCID ID?

Kurz gesagt brauchst du eine ORCID ID, um dir und den Verlagen das Leben leichter zu machen.

Deine Publikationen sind dir eindeutig zugeordnet. 37 verschiedene Publikationstypen (Bücher, Buchkapitel, Dissertationen, Poster, Konferenzbeiträge, etc.) können in deinem Profil hinterlegt werden.

Du kannst Publikationen selbstständig eintragen. Oder (und hier kommen wir zum Punkt, der dir das Leben leichter macht) deine Publikationsliste wird automatisch aktualisiert. Das minimiert den Verwaltungsaufwand für dich.

Voraussetzung dafür ist, dass du trusted parties wie Scopus, CrossRef und DataCite die automatische Aktualisierung erlaubst.

Viele Verlage verlangen bereits bei der Einreichung von Manuskripten die Angabe deiner ORCID ID.

In Deutschland engagiert sich das ORCID Deutschland Konsortium (DFG-Projekt) für die Implementierung von ORCID an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Laut Website gibt es aktuell 213.000 registrierte IDs in Deutschland. 84 Forschungseinrichtungen sind zurzeit Mitglied des Konsortiums. Darunter die Charité Berlin und die WWU Münster.

So nutzt du ORCID für dein wissenschaftliches Selbstmarketing

ORCID bietet dir die Möglichkeit, deine Publikationen online zu präsentieren, auch wenn du keine eigene Website hast. Und selbst wenn du eine Website hast, kannst du auf dein ORCID-Profil verlinken. Dort wird die Liste (teilweise) automatisch aktuell gehalten.

Das macht Eindruck und wirkt professionell. Immer mehr Wissenschaftler*innen und Forschungseinrichtungen nutzen ORCID. Sie schätzen daher deine ORCID-Seite als digitale Anlaufstelle, um einen Überblick über deine Publikationen zu bekommen.

Dabei bist du international sichtbar und auffindbar.

Interessant ist ORCID vor allem für CV-Wissenschaftler*innen und Akademische Networker*innen, denen es um das „online gefunden werden“ und die Präsentation ihres akademischen Werdegangs geht.

Wozu Google Scholar da ist

Google Scholar ist eine akademische Suchmaschine, parallel zum „normalen“ Google. Wissenschaftler*innen, Studierende und ähnliche Zielgruppen können mit Google Scholar gezielt wissenschaftliche Dokumente und Quellen recherchieren.

Die Suchergebnisse verweisen vorrangig auf Zeitschriftenartikel, aber auch auf Bücher, technische Berichte, Seminararbeiten, Präsentationen, Konferenzvorträge, Abstracts und Preprints. Nicht wenige Quellen sind frei zugänglich und im Volltext verfügbar. Andere führen zu kostenpflichtigen Angeboten von Verlagen und Fachgesellschaften.

Wenn du Google Scholar von einem Hochschul-Rechner aus nutzt oder einen VPN-Zugang hast, kannst du von Google Scholar aus sogar auf die Artikel der elektronischen Zeitschriften deiner Hochschul-Bibliothek zugreifen.

Das Ranking der Suchergebnisse basiert wie beim normalen Google auf Algorithmen. Die Relevanz wird also nicht von Expert*innen beurteilt, sondern anhand bestimmter Google-Scholar-Kriterien.

Dazu zählen

  • Verfügbarkeit des Volltextes
  • Quelle
  • Häufigkeit der Zitationen
  • Publikationsdatum

Eine Tatsache, die nicht selten für entsprechende Kritik sorgt.

So erstellst du dein Google-Scholar-Profil

Jetzt hast du einen groben Überblick, welche Informationen Google Scholar anzeigt. Die logische Frage ist, warum du ein eigenes Google-Scholar-Profil haben solltest.

Die kurze Antwort: mit einem Google-Scholar-Profil kannst du die Suchmaschine mit Daten zu deinen Publikationen füttern. Veröffentlichungen ergänzen. Metadaten korrigieren. (Vieles wird schon automatisch ausgelesen, aber eben nicht alles korrekt.)

Nicht zu vergessen: mit einem öffentlichen Google-Scholar-Profil kannst du deine Sichtbarkeit erhöhen.

Achja und du kannst mit deinem Profil verfolgen, wer dich wo zitiert und bekommst bei Interesse eine E-Mail-Benachrichtigung darüber.

 

Eine kurze Anleitung

Ein Google-Scholar-Profil kannst du leicht erstellen, wenn du einen Google-Account besitzt. Also solltest du entweder bereits in deinen bestehenden Google-Account eingeloggt sein oder dir einen neuen Account anlegen.

Anschließend rufst du Google Scholar auf und kannst unter „Mein Profil“ deine akademische Zugehörigkeit und deine Interessengebiete ergänzen.

Google Scholar Oberfläche

 

Das Feld „Interessengebiete“ ist laut dieses Blogartikels von Prof. Peter Baumgartner besonders wichtig. Hier solltest du die richtigen Schlagwörter (Deutsch und Englisch) eingeben, die dein Forschungsthema beschreiben. So kann Google Scholar erste Artikel zu deinem Profil zuordnen.

 

Google Scholar - Mein Profil

 

Das Feld „Interessengebiete“ ist laut dieses Blogartikels von Prof. Peter Baumgartner besonders wichtig. Hier solltest du die richtigen Schlagwörter (Deutsch und Englisch) eingeben, die dein Forschungsthema beschreiben. So kann Google Scholar erste Artikel zu deinem Profil zuordnen.

Die Anleitung von Prof. Baumgartner ist bereits von 2014 und daher in den Details vermutlich nicht mehr ganz zutreffend. Aber das Prinzip ist ähnlich geblieben.

Im zweiten Schritt geht es um die Zuordnung deiner Artikel zu deinem Profil. Im dritten Schritt kannst du noch ein paar abschließende Einstellungen vornehmen.

Welche Bedeutung hat Google Scholar für dein Selbstmarketing?

Ich gehe davon aus, dass Google Scholar momentan bekannter ist als ORCID. Insbesondere bei Nicht-Wissenschaftlerinnen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Fachjournalist*innen auf der Suche nach Expert*innen Google Scholar nutzen.

Ein gut gepflegtes Google-Scholar-Profil könnte dir daher mehr Sichtbarkeit innerhalb der akademisch interessierten Öffentlichkeit bringen.

Für dein Selbstmarketing mag es auch nicht unerheblich sein, falsche Zuordnungen zu korrigieren oder fehlende Angaben zur korrekten Zitation deiner Artikel zu ergänzen. Denn Google Scholar wird ohne Zweifel viel genutzt.

Du hast sogar die Möglichkeit, durch gezielte akademische Suchmaschinenoptimierung (Academic Search Engine Optimization – kurz: ASEO) deine Artikel noch besser auffindbar zu machen. Aber das ist ein Thema für einen eigenen Blogartikel.

Alles in allem würde ich dir als Wissenschaftler*in sowohl eine ORCID ID als auch ein Google-Scholar-Profil empfehlen. Einmal eingerichtet hält sich der Pflegeaufwand in Grenzen.

Anders als bei Social-Media-Kanälen musst du hier nicht täglich oder wöchentlich zusätzlichen Content erstellen. Beide Plattformen sind dazu da, deinen wissenschaftlichen Werdegang und den damit verbundenen wissenschaftlichen Output zu dokumentieren und zugänglich zu machen.

Verrate mir doch gerne in den Kommentaren, ob du Selbstmarketing mit ORCID und Google Scholar machst und welche Vorteile sich für dich daraus ergeben.

Wie viel Sichtbarkeit brauchen Wissenschaftler*innen?

Wie viel Sichtbarkeit brauchen Wissenschaftlerinnen

Hast du dich auch schon einmal gefragt, wie viel Sichtbarkeit Wissenschaftler*innen brauchen? Welche Online-Profile sind die richtigen? Wo solltest du präsent sein? Wie viel Selbstmarketing ist genug?

Die Antworten auf diese Fragen sind nicht für jede*n gleich. Und komplex. Aber kurz gesagt ist deine Sichtbarkeit als Wissenschaftler*in immer von deinen beruflichen Zielen, deinem Workload, deiner Persönlichkeit und deiner Affinität zu digitalen Medien abhängig.

Und bestimmt auch von technischen und persönlichen Ressourcen.

4 Arten von Sichtbarkeit in der Wissenschaft

Damit es aber noch konkreter für dich wird, habe ich mir 4 Arten von Sichtbarkeit überlegt. Die vier Kategorien basieren auf meiner jahrelangen Workshop-Erfahrung mit Wissenschaftler*innen und der Analyse von hunderten Social-Media-Auftritten und Wissenschaftler*innenwebsites.

Entweder erkennst du dich bereits in einer dieser Kategorien wieder. Oder die Einteilung hilft dir dabei, dich zu entscheiden, wie viel Sichtbarkeit du als Wissenschaftler*in erreichen möchtest.

Bereit? Let’s go!

Übrigens, die Sichtbarkeit (aber auch die Arbeit (!)) steigt mit jeder Kategorie.

Also, wer möchtest du sein?

  • CV-Wissenschaftler*in

  • Akademische*r Networker*in

  • Wissenschaftskommunikator*in

  • Sciencefluencer*in

Notwendige Disclaimer: nichts ist in Stein gemeißelt

Ich erkläre dir gleich, welche typischen Merkmale jede Art von Sichtbarkeit hat. Bevor ich das tue, muss ich aber noch ein paar Dinge vorausschicken.

Kategorien dienen der Vereinfachung. Das ist super praktisch. Heißt aber auf der anderen Seite trotzdem nicht, dass sie nur so existieren dürfen, wie ich sie im Folgenden beschreibe. Im Gegenteil. Die 4 Arten von Sichtbarkeit gehen ineinander über. Es gibt keine scharfe Trennlinie.

Außerdem werden manche Merkmale auf dich gar nicht zutreffen. Oder du identifizierst dich zwar mit einer Kategorie, bist aber in dem sozialen Netzwerk, das für diese typisch sein soll, nicht vertreten. Daran ist nichts falsch. Sieh die Sichtbarkeitstypen eher als Inspiration statt als strenges Regelwerk.

Jetzt geht’s aber wirklich los! 

CV-Wissenschaftler*in

In meinen Workshops ist das die Sichtbarkeitsstufe, die die meisten Wissenschaftler*innen erreichen möchten. Sie wollen online gefunden werden. Und einen guten Eindruck hinterlassen, wenn jemand nach ihrem Namen sucht.

Regelmäßige Beiträge in den sozialen Netzwerken, Interaktion mit Follower*innen und aktive Wissenschaftskommunikation streben CV-Wissenschaftler*innen nicht an. Zeitmangel und das Fehlen interessanter Inhalte, über die sie schreiben könnten, geben sie dabei häufig als Gründe an.

Auf der Website (das kann die Uni-Website oder die persönliche Website sein) sollen vor allem die wissenschaftlichen Fakten über sie als Person zu finden sein. Deshalb sind ihnen der CV und die vollständige Publikationsliste wichtig.

Ihre Profile z. B. bei ORCID, Google Scholar, ResearchGate oder LinkedIn richten sie einmal ein und aktualisieren sie bei Bedarf. Der Aufwand für die Online-Sichtbarkeit soll sich in überschaubaren Grenzen halten. Alle wesentlichen Informationen zur wissenschaftlichen Person sollen Professor*innen, Gutachter*innen und Entscheider*innen trotzdem mit einer schnellen Google-Suche über sie finden.

 

Merkmale CV-Wissenschaftler*in

  • Zielgruppe: alle, Öffentlichkeit
  • keine aktive Wissenschaftskommunikation
  • Online-Profile als CV-Alternative
  • Fokus auf „Gefunden werden bei Bedarf“
  • keine eigenen Beiträge und Posts in Social Media
  • kein Interesse an Interaktion
  • bevorzugte Kanäle: ORCID, Google Scholar, ResearchGate, LinkedIn

Was das für die Sichtbarkeit bedeutet

Als CV-Wissenschaftler*in bist du sichtbar, wenn jemand namentlich nach dir im Internet sucht. Du wirst wahrscheinlich nicht von Journalist*innen aufgespürt werden, weil sie eine*n Expert*in zum Thema „biologisch abbaubare Verpackungsmaterialien“ suchen.

Das könntest du theoretisch sogar sein. Aber vermutlich gibt es keine Texte, Statements, Beiträge, Tweets oder Interviews mit dir im Netz, in denen du dein Fachgebiet Wissenschaftslaien näher gebracht hast. Und entsprechende Keywords zu dir tauchen daher in einer Google-Recherche nicht auf.

Darüber hinaus bist du anderen Wissenschaftler*innen nicht als aktiv kommunizierende Wissenschaftler*in bekannt. Sichtbarkeit im Rahmen eines persönlichen Netzwerks und die damit verbundene Reichweite entstehen nicht.

Als CV-Wissenschaftler*in hast du die Basis dafür geschaffen, dass die Suchmaschine vernünftige Ergebnisse zu dir und deinem Werdegang ausspuckt. Ein Online-Scientist bist du damit aber noch nicht.

 

Akademische*r Networker*in

Akademische Networker*innen gehen einen Schritt weiter. Sie suchen online bewusst den Kontakt zu Fachkolleg*innen. Dazu nutzen sie bevorzugt Twitter oder LinkedIn.

Im Fokus steht der fachliche Austausch mit der Scientific Community, nicht unbedingt die aktive Wissenschaftskommunikation an die breite Öffentlichkeit.

Das Interesse von Akademischen Networker*innen ist nicht, Zielgruppen außerhalb der Wissenschaft mit ihrem Wissen zu entertainen. Vielmehr geht es darum, den eigenen wissenschaftlichen Wirkkreis zu erweitern.

Wenn sie kommunizieren (und das passiert meistens anlassbezogen), geht es um Artikel, Forschungsergebnisse, Konferenzteilnahmen, die Promotion, die Habilitation, interessante Beiträge in Kolloquien usw.

Hobbys und Interessen, die über die Wissenschaft hinaus gehen, werden selten kommuniziert. Beiträge und Online-Profile sollen vor allem Professionalität und Seriosität ausstrahlen.

Merkmale Akademische*r Networker*in

  • Zielgruppe: Scientific Community
  • keine Wissenschaftskommunikation an breite Öffentlichkeit
  • seriöse Online-Profile
  • Fokus auf Zitationen, Artikel, Konferenzteilnahmen, Promotion
  • Hobbys und Interessen neben der Wissenschaft bleiben oft außen vor
  • Interaktion nur zu bestimmten Anlässen
  • bevorzugte Kanäle: ORCID, Google Scholar, ResearchGate, Twitter, LinkedIn, Website mit Basisdaten

Was das für die Sichtbarkeit bedeutet

Als Akademische*r Networker*in interagierst du online mit anderen Menschen. Genau das führt zu Sichtbarkeit. Du wirst mit deinem Forschungsgebiet, deinen Veröffentlichungen und deinen Wissenschaftsthemen im Kreis deiner Peergroup sichtbar werden.

Und auch darüber hinaus. Du wirst neue Menschen kennenlernen. Natürlich vor allem aus der Scientific Community. Aber ebenso Wissenschaftsjournalist*innen oder Politiker*innen.

Das Prinzip ist (mehr oder weniger) einfach. Je aktiver du bist und mit je mehr Menschen du dich austauschst, desto größer ist deine Sichtbarkeit. Du solltest deinen Erfolg trotzdem weniger in blanken Zahlen messen (also an Follower*innen), sondern eher an der Qualität der Kontakte festmachen.

Wie fruchtbar ist der Austausch? Welche Ideen sind entstanden? An wen kannst du dich wenden? Auf wen kannst du dich verlassen?

 

4 Sichtbarkeitstypen in der Wissenschaft

Wissenschaftskommunikator*in

Wie der Name schon sagt kommunizieren Wissenschaftskommunikator*innen Wissenschaft. Vor allem an die breite Öffentlichkeit, wissenschaftsbegeisterte Laien oder Studierende.

Im Laufe der Zeit habe ich den Eindruck gewonnen, dass sich Wissenschaftskommunikator*innen auch als solche verstehen. Es steckt Begeisterung, Spaß und Leidenschaft dahinter, wissenschaftliche Inhalte für externe Zielgruppen verständlich aufzubereiten.

Der Fokus liegt ganz klar auf dem Austausch mit dem Publikum. Daher veröffentlichen Wissenschaftskommunikator*innen regelmäßig Beiträge in den sozialen Medien. Sie kennen den Vibe ihres Netzwerks, stellen Fragen an ihre Follower*innen und bringen sich in Diskussionen auf  thematisch verwandten Kanälen ein.

Die Inhalte auf Twitter, Instagram, YouTube oder ihrem Blog sind gut vorbereitet. Oft haben Wissenschaftskommunikator*innen eigene ausgedachte Formate oder Kategorien, die sich regelmäßig wiederholen. Für Anfragen zu Interviews, Vorträgen oder als Gast in TV-Formaten sind sie häufig sehr offen.

Merkmale Wissenschaftskommunikator*in

  • Zielgruppe: breite Öffentlichkeit, wissenschaftsbegeisterte Laien, Studierende
  • kreative und aktive Wissenschaftskommunikation
  • aussagekräftige Online-Profile
  • Fokus auf Austausch mit Publikum
  • regelmäßige Beiträge und Posts in Social Media, oft mit eigenen Fotos & Grafiken
  • Interesse an Interviews, Vorträgen, TV-Formaten
  • bevorzugte Kanäle: Twitter, Instagram, YouTube, Blog

Was das für die Sichtbarkeit bedeutet

Wie viel Sichtbarkeit brauchen Wissenschaftler*innen? Das war die Ausgangsfrage dieses Blogartikels. Vielleicht ist dir bis hierhin schon Folgendes klar geworden: Sichtbarkeit ist eine Entscheidung. Wissenschaftskommunikator*innen entscheiden sich klar für Sichtbarkeit. Und die bekommen sie auch.

Bei soviel Einsatz kommt auch viel raus. Vielleicht nicht sofort, aber wer Ausdauer mitbringt, kreativ ist und sich online sympathisch und ansprechbar präsentiert, wird früher oder später gesehen.

Das kann in vorher ungeahnten Ausmaßen gipfeln. Presseanfragen, Moderationsjobs, Dozent*innen-Tätigkeiten, Einladungen in Gremien, Keynote-Vorträge, Kooperationen für neue Forschungsprojekte und so weiter. Mach dich auf Einiges gefasst!

 

Sciencefluencer*in

Ja, auch in der Wissenschaft gibt es Influencer*innen. Zwar wenige, aber es gibt sie. Die Sciencefluencer*innen sind selbst oft noch ziemlich jung (Mitte/Ende 20). Sie schaffen es, einer breiten Öffentlichkeit Wissenschaft als etwas Cooles und Spannendes zu vermitteln.

Und erreichen damit Zielgruppen, die sich für bestimmte Inhalte sonst nie interessiert hätten. Ich finde das sehr beeindruckend.

Von ihren „ernsthaften“ Wissenschaftskolleg*innen werden sie hin und wieder belächelt. Weil oftmals (vermeintlich?) der Lifestyle als Wissenschaftler*in mehr im Fokus steht als die tatsächliche Forschungsarbeit.

Sciencefluencer*innen nehmen ihren Job sehr ernst und stecken viel Zeit und Arbeit in ihre Beiträge. Der Community-Aufbau und die Community-Pflege haben hohe Priorität. Daher haben manche von ihnen mehrere Zehntausend oder Hunderttausende von Follower*innen.

Sciencefluencer*innen sind Vorbilder für junge Menschen und wecken unter Umständen den Wunsch, selbst einmal in die Forschung zu gehen.

Merkmale Sciencefluencer*in

  • Zielgruppe: breite Öffentlichkeit, junge Menschen
  • Wissenschaftskommunikation als 1. oder 2. berufliches Standbein
  • Fokus auf „Lifestyle als Wissenschaftler*in“ (oft mehr Persönlichkeit als Forschung)
  • regelmäßige Beiträge und Posts in Social Media
  • Ziel: Reichweite generieren, große Community aufbauen
  • Community-Aktionen, Gewinnspiele, Kooperationen
  • bevorzugte Kanäle: Instagram, YouTube, TikTok, Blog

 

Was das für die Sichtbarkeit bedeutet

Wenn wir Sichtbarkeit im Sinne von Reichweite definieren, dann hast du als Sciencefluencer*in den Gipfel der Sichtbarkeit erreicht. Mehr geht kaum. Auch hier warten Presseanfragen, Moderationsjobs, Einladungen als Rolemodel und Expert*in auf dich!

Du könntest dir als Sciencefluencer*in eine Karriere neben der Forschung aufbauen. Oder irgendwann das alles hauptberuflich machen.

Als Sciencefluencer*in steht du so oder so vor der Herausforderung, deine Sichtbarkeit und Reichweite verantwortungsvoll zu nutzen. Das darf (und sollte!) aber auch Spaß machen. Also, let’s go!

 

Twittern auf Konferenzen – So twitterst du professionell bei jeder Tagung

Twittern auf Konferenzen

Es ist Sommer. Und nach über zwei Jahren Pandemie finden hier und dort wieder wissenschaftliche Konferenzen und Tagungen statt.

Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, wie du das Twittern auf Konferenzen für dich nutzen kannst.

Spoiler an dieser Stelle: es gibt ein DAVOR, WÄHRENDDESSEN und DANACH.

In diesem Artikel erfährst du, wie du in jeder Phase deine Konferenzteilnahme optimal für deine Twitter-Aktivitäten nutzt. Los geht’s!

 

VOR der Konferenz – Recherche, Kaffee-Einladungen, Selbstmarketing

Also, das Gedanken machen beginnt idealerweise bereits ein paar Wochen vor der Konferenz.

]Deine erste Aufgabe besteht darin, den Konferenz-Hashtag zu recherchieren. Im besten Fall findest du den Hashtag leicht und schnell auf der Konferenz-Website.

Oder auf einem Flyer oder deiner Anmeldebestätigung. In diesem Fall: Hut ab für die Organisator*innen, die Twitter (und andere soziale Netzwerke) mitgedacht haben.

Ist an den genannten Stellen nichts zu finden, check Twitter selbst, um den Hashtag zu finden. Gib in die Twitter-Suche den Namen der Konferenz oder deren Akronym ein. Nicht selten ergänzt um die aktuelle Jahreszahl.

Du wirst teilnehmen – wer noch?

Kündige circa eine Woche bis drei Tage vorher deine Teilnahme an der Tagung über Twitter an. Nutze dabei den Konferenz-Hashtag. Frage in die Runde, wer von deinen Follower*innen auch dort sein wird.

Du kannst darüber hinaus offene oder ganz gezielte Einladungen zum Kaffee-Trinken aussprechen:

  • „Ich freue mich über Austausch in den Konferenz-Pausen. Wer hat Lust auf einen gemeinsamen Kaffee?“
  • Schön zu wissen @XYZ, dass du auch da sein wirst! Zeit für ein gemeinsames Mittagessen?

Dabei ist es nicht so wichtig, ob ihr euch bereits aus dem realen Leben kennt oder nicht. Im Grunde ist es die ideale Gelegenheit, gerade den Menschen zu einem persönlichen Treffen einzuladen, den du schon immer gerne kennenlernen wolltest.

Die freundliche Einladung wird kaum jemand schroff ablehnen. Außerdem nagelst du dein Gegenüber nicht fest. Sondern triffst eine lockere Verabredung, deren Details ihr noch einmal während der Konferenz klären könnt.

 

Ein wenig Selbstmarketing ist erlaubt

Wenn du auf der Konferenz einen Vortrag hältst, Teil einer Diskussionsrunde bist oder ein Poster präsentierst, kündige auch das über Twitter an.

Teile das Thema deines Beitrags und die Uhrzeit und den Raum. Erwähne, dass du dich über Zuhörer*innen freust und einen lebendigen Austausch.

Aber nenne nicht nur den Titel, sondern füttere deine Community durch kleine Happen (auch in mehreren Tweets) an, was sie im Vortrag erwartet. Welche spannende Frage wirst du beantworten? Welche Methode stellst du vor?

Oder frage deine Follower*innen vorab nach ihren Fragen zu deinem Thema. Die Fragen und Antworten kannst du mit in den Vortrag einbinden. So schaffst du Interaktion und Vorfreude.

 

Studiere das Programm und bereite Tweets vor

Während der Konferenz wirst du ziemlich beschäftigt sein. Wo bleibt da noch die Zeit, zu twittern?

[vc_column_text]Über bestimmte Erlebnisse und Eindrücke kannst du natürlich nur während der Veranstaltung twittern. Ein paar Posts lassen sich aber leicht vorbereiten und mit Hilfe von Social-Media-Tools automatisch veröffentlichen.

Schau ins Programm und plane ein paar Tweets vorab. Zum Beispiel darüber, bei welchen Vorträgen du im Publikum sitzen wirst.

Du kannst die Tweets auch im Entwurf-Modus speichern und dann live vor Ort noch einmal bearbeiten. Das hat den Vorteil, dass du Zeit beim Tippen sparst und eventuell schon den Twitter-Namen der*des Referent*in parat hast.

Glaub mir, es kann Gold wert sein, wenn vorne auf der Bühne geredet wird und du durch gute Vorbereitung schneller Tweets formulieren kannst.

 

WÄHREND der Konferenz – Statements, Zitate und Zwischenmenschliches

Sobald die Tagung stattfindet, besteht deine Aufgabe darin, live von der Veranstaltung zu berichten. Knackige Statements oder griffige Zitate aus Vorträgen in 280 Zeichen kommen häufig gut bei der Twitter-Community kann.

Hat ein*e Referent*in etwas besonders gut in einem Satz auf den Punkt gebracht, zitiere sie*ihn wortwörtlich.

Du kannst dich in einem Tweets auch bei der*dem Vortragenden für den wertvollen Input bedanken. Vor allem wirkungsvoll, wenn diese Person selbst bei Twitter ist. Ein Retweet ist dir so gut wie sicher.

 

Hashtag verfolgen, retweeten, kommentieren

Deine zweite Aufgabe für das Twittern auf Konferenzen lautet, selbst dem Konferenz-Hashtag zu folgen. Schau immer mal wieder, was andere Wissenschaftler*innen tweeten.

Der Vorteil daran: du wirst über spannende Sessions informiert, kannst gelungene Tweets retweeten. Und erfährst darüber, wer noch alles da ist.

Twittern auf Konferenzen bedeutet nicht nur, selbst zu tweeten, sondern sich auch in Diskussionen einzubringen. Also kommentiere ebenfalls fleißig Tweets der anderen anwesenden Forscher*innen.

 

Zwischenmenschliches, Kurioses, Erstaunliches, Sehenswertes tweeten

Neben den professionellen Inhalten eignet sich so eine Konferenz hervorragend dazu, ein bisschen Zwischenmenschliches in die Tweets einfließen zu lassen.

Wen hast du getroffen? Wie ist die Location? Bietet der Tagungsort einen Hammerausblick? Wie grandios war das Buffet? Wie sieht dein Abendprogramm aus? Was hat dich überrascht?

Lass deine Follower*innen am Drumherum teilhaben. So als wären sie selbst dort. Das kommt in den meisten Fällen gut an.

 

NACH der Konferenz – Highlights, Zusammenfassung, Dank

Die Tagung ist vorbei und du wieder zu Hause. Jetzt kannst du die Gelegenheit für eine kleine Nachlese nutzen.

Formuliere 3-4 Tweets oder einen Thread über die Highlights deiner Teilnahme. Welche Erkenntnisse hast du mitgenommen? Welche Begegnungen haben dich beeindruckt? Wie lief dein eigener Vortrag?

Wenn du Fotos gemacht hast, kannst du auch eine kleine Fotostrecke posten und kurze Erläuterungen dazu schreiben.

Wenn du möchtest (und das auch tatsächlich deiner Meinung entspricht) bedanke dich bei den Organisator*innen über Twitter.

Oder kommuniziere, dass du dich auf das Zusammentreffen im nächsten Jahr freust. Falls du bereits den Termin und den Ort kennst, teile dies als Service-Info mit deinen Follower*innen.

 

Studie: Männer twittern auf wissenschaftlichen Konferenzen anders, Frauen auch

Übrigens scheint es geschlechtsspezifische Unterschiede zu geben, worüber auf Tagungen getwittert wird.

Eine Studie aus dem Jahr 2016 fand heraus: Männer verschicken häufiger Tweets mit Links und twittern häufiger über Konferenzbedingungen. Frauen hingegen twittern häufiger über Konferenzinhalte.

Im Fazit der Studie heißt es: „Männer und Frauen neh­men also während des wissenschaftlichen Twitterns unterschiedliche Rollen wahr und verfolgen mit ihren Tweets verschiedene Zielsetzungen (z. B. Frauen be­richten und Männer weisen auf eigene Texte hin).“

Daher lege ich vor allem den Wissenschaftlerinnen ans Herz, das Twittern auf Konferenzen auch bewusst dazu zu nutzen, auf eigene Paper aufmerksam zu machen.

Twittern auf Konferenzen: Offline vs. online

Abschließend noch ein paar Worte zu den Unterschieden zwischen Offline- und Online-Konferenzen. Meiner Wahrnehmung nach wird auf Online-Konferenzen weniger getwittert.

Da die Wissenschaftler*innen sich auf Online-Konferenzen sowieso im digitalen Raum bewegen, ist der Impuls sich noch einmal woanders digital zu äußern (also zu twittern) geringer.

Einige der im Artikel genannten Tipps fallen hier weg (Kaffee-Einladungen, Zwischenmenschliches…). Trotzdem kannst du auch digitale Konferenzen vertwittern.

Vorteil: du sitzt direkt am digitalen Endgerät, kannst schnell Twitter-Namen von Referent*innen recherchieren und bist weniger vom analogen Drumherum abgelenkt.

Welche Konferenz steht bei dir als nächstes an? Und welche der genannten Tipps kannst du umsetzen? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.