Author Archives: Susanne Geu

#DigitalScientist N°2 – Interview mit Mirjam Glessmer

DigitalScientist Interview Mirjam Glessmer

Mirjam Glessmer ist begeisterte Ozeanographin und Wissenschaftskommunikatorin. Unser Kontakt kam online über Instagram zustande. Unter einem meiner letzten Instagram-Postssuchte ich nach Empfehlungen für das zweite #DigitalScientist-Interview und mir wurde prompt Mirjams Kanal empfohlen.

Ich bewundere Mirjam dafür, in der Wissenschaftskommunikation einfach neue Wege einzuschlagen – so wie mit ihrem Instagram-Projekt von der Kieler Förde. Mein Lieblingszitat dieses Interviews ist daher: „Wissenschaftskommunikation ist kein Club, in den man nur aufgenommen wird, wenn man sich an Regeln hält. Es ist das, was man selbst daraus macht.“

Liebe Mirjam, was ist dein Fachgebiet und was machst du beruflich?

Ich bin sehr vielseitig interessiert, daher kann ich mich gar nicht einem klassischen Fachgebiet zuordnen. Von meiner akademischen Ausbildung her bin ich promovierte Ozeanographin mit einem Master in Hochschuldidaktik.

Meine Interessen sind im stetigen Wandel, drehen sich aber immer um den Ozean (früher Vermischungsprozesse im Wasser, jetzt vor allem, wie man Ozean- und Klima-Themen in der Wissenschaftskommunikation gut umsetzt) und um die Unterstützung von fachlichen und persönlichen Weiterentwicklungen (früher von Studierenden, momentan von Wissenschaftskommunikator*innen).

Mit diesen Themen arbeite ich derzeit am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel. Dort arbeite ich als wissenschaftliche Koordinatorin eines Forschungsprojektes zur Wissenschaftskommunikation und als Leiterin eines Schülerlabors zur Physik des Klimawandels. Das habe ich zusammen mit einer tollen Gruppe von Masterstudierenden entwickelt.

Spannend! Wo finden wir dich online? Und mit wem und worüber kommunizierst du im Netz?

Meine älteste noch aktive Online-Präsenz ist mein privater Blog. Ich hatte die Gelegenheit, die Einführungsvorlesung in die Ozeanographie, meereskundliche Praktika und sogar Ausbildungsfahrten auf Forschungsschiffen zu unterrichten. Damals habe ich meinen Blog mit dem Ziel gestartet, Erfahrungsberichte mit anderen unterrichtenden Meeresforscher*innen zu teilen, mir Feedback für Ideen zu holen und mich auszutauschen. Mittlerweile verwende ich den Blog aber in erster Linie als zentrale Anlaufstelle für alle, die wissen wollen, womit ich mich gerade in der Meereskunde und der Wissenschaftskommunikation beschäftige.

Für mich persönlich läuft die wichtigste digitale Kommunikation über Twitter.

Zusätzlich zu den Reaktionen auf meine eigenen Tweets habe ich dort einen Finger am Puls der Zeit zu verschiedenen Themen, die mir wichtig sind und kann mich schnell austauschen.

Neben diesen beiden Kanälen mache ich auch gerne kurzfristigere Aktionen. Zum Beispiel habe ich im letzten Herbst für ein Forschungsprojekt zu Ozeanströmungen in der Antarktis gebloggt: Von Experimenten in einem rotierenden 13-Meter-Durchmesser Wassertank.

Anfang März diesen Jahres habe ich beschlossen, ein regelmäßiges Format auszuprobieren und habe einen Instagram-Account gestartet. Als @fascinocean_kiel poste ich tagesaktuelle Fotos von der Kieler Förde und erkläre, was man aus meereskundlicher Sicht darauf sieht. Dabei richte ich mich primär an ein deutschsprachiges Publikum, das selbst an der Kieler Förde spazieren geht und sich freut, durch meinen Account einen neuen Blick auf das Wasser zu bekommen.

 
 
Auch relativ neu ist meine „Science Communication Challenge“ unter dem Hashtag #SciCommChall. Damit möchte ich werdende als auch etablierte Wissenschaftskommunikator*innen unterstützen, neue Formate auszuprobieren, ihr Portfolio aufzubauen und herauszufinden, wo sie sich am wohlsten fühlen. Monatlich gibt es eine Anregung, zum Beispiel „bring deine Forschung auf den Frühstückstisch!“ Die Ideen teilen wir im Kollegenkreis sowie auf unserem Blog, auf Facebook, Twitter und Instagram. Schaut gerne vorbei und macht mit! Wir gehen kreuz und quer durch analoge und digitale Formate, aber Spoiler Alert: im Juni wird die Challenge um digitale Wissenschaftskommunikation gehen…
 
Für mich bist du auf jeden Fall ein #DigitalScientist. – Was braucht es deiner Meinung nach, um Wissenschaft erfolgreich online zu kommunizieren?

Wissenschaftskommunikation klingt immer gleich nach etwas furchtbar Aufwändigem. Aber schon seinem privaten Umfeld Fotos aus dem Labor oder Büro zu zeigen und aus dem Alltag in der Wissenschaft zu erzählen, kann Wissenschaftskommunikation sein.

Für die ersten Schritte in die Welt der Wissenschaftskommunikation ist es am wichtigsten, keine Angst zu haben, Dinge auszuprobieren. Das heißt auch, sich das Format und das Thema zu suchen, mit dem man sich selbst wohl fühlt und das einem Spaß macht. Es muss nicht jeder Instagram bespielen oder Blogposts schreiben und man kann das Format, das für einen selbst am besten funktioniert, auch erst erfinden.

Das gilt auch für das  Thema, über das man sprechen möchte. Es können wissenschaftliche Erkenntnisse sein, die man in seiner Arbeit produziert oder die, über die man gerade gelesen hat. Oder der Alltag in der Wissenschaft, oder, oder, oder. Für das Thema muss es kein vordefiniertes Label geben und es kann sich mit der Zeit entwickeln.

Wissenschaftskommunikation ist kein Club, in den man nur aufgenommen wird, wenn man sich an Regeln hält. Es ist das, was man selbst daraus macht.

Trotz der Freude am Ausprobieren finde ich es wichtig, dass man wissenschaftlich an Wissenschaftskommunikation herangeht. Also die aktuelle Forschung verfolgt, Weiterqualifizierungsangebote wahrnimmt und Austausch sucht. Nicht zuletzt ist es sehr hilfreich, sich seiner eigenen Ziele klar zu werden: Will ich, dass Blogposts möglichst viele „Likes“ bekommen? Möchte ich in erster Linie regelmäßiges Schreiben üben? Will ich das Verhalten von Leser*innen beeinflussen?

Die eigenen Aktivitäten kann man anschließend dahingehend evaluieren – am besten wissenschaftlich fundiert. Aber zum Einstieg in die Wissenschaftskommunikation ist es ok, einfach darüber nachzudenken, ob man das erreicht, was man erreichen möchte und gezielt um Feedback zu bitten.

Kannst du sagen, was dir die digitale Wissenschaftskommunikation gebracht hat, persönlich oder auch professionell?

Persönlich und professionell zu trennen fällt mir nicht leicht. Denn was mich professionell bereichert, bereichert mich immer auch persönlich, weil mir mein Job am Herzen liegt. Ich habe durch digitale Wissenschaftskommunikation im professionellen Bereich viele Menschen kennengelernt, von denen einige auch privat zu Freunden geworden sind.

Aber um die Frage zu beantworten: Für mich ist besonders Twitter wichtig, um auf dem aktuellen Stand der Forschung zu bleiben – vor allem nach meinem Fachwechsel von der Ozeanographie in die Wissenschaftskommunikation.

Das Bloggen hat mir viel für meine eigene Entwicklung gebracht. Ich habe weniger Hemmungen zu schreiben und weiß das schnelle Feedback auf meine Ideen zu schätzen.

An einem schlaflosen Morgen habe ich ein paar Skizzen für einen Versuchsaufbau gemacht, spontan fotografiert und auf meinen Blog gestellt. Noch am selben Tag hatte ich Nachrichten von zwei mir bis dahin unbekannten Menschen, die sehr wertvolle Hinweise gaben. Dieses Feedback hat mir viele frustrierende und erfolglose Versuche erspart.

Last but not least: Wissenschaft digital zu kommunizieren, macht mir Spaß. Wenn es nicht so wäre, würde ich Wissenschaft verstärkt in einem anderen Format kommunizieren, das mir Spaß macht. Zum Beispiel noch mehr als bisher in meinem Schülerlabor.

Wie sieht dein Social-Media-Alltag aus, wie organisierst du deine Aktivitäten im Netz?

In den ersten Jahren meines Blogs habe ich einen „Editorial Calendar“ geführt, regelmäßig 3 Blogposts pro Woche geschrieben und somit ein großes Archiv an Blogposts geschaffen. Auf diese verweise ich noch oft oder nehme sie als „Steinbruch“ für Texte, die ich jetzt für andere Formate schreibe.

Durch die Regelmäßigkeit habe ich viel Glaubwürdigkeit und ein großes Netzwerk aufgebaut. Davon profitiere ich jetzt: Den kompletten Januar und Februar über habe ich nichts gepostet und das hat weder meinen Leserzahlen noch meinen Kontakten geschadet. Die Social-Media-Landschaft verändert sich ständig. Das behalte ich im Auge und bleibe gerne bewusst flexibel.

Trotz der Flexibilität steht eine Strategie hinter meinen Aktivitäten im Netz. Ich achte darauf, online sichtbar zu bleiben und poste regelmäßig hochwertige Inhalte, die sich meiner Person zuordnen lassen. @fascinocean_kiel auf Instagram bespiele ich momentan fast täglich vor der Arbeit: Runter an die Kieler Förde, Fotos machen, auswählen, bearbeiten, Texte schreiben, hashtags auswählen und den Beitrag posten.

Ich bin neugierig. Was ist dein nächstes großes Ziel als Wissenschaftlerin im Netz?

Mein erstes Ziel ist, die #SciCommChall noch sichtbarer zu machen. Ich möchte die Menschen, die mitgemacht und ein Produkt erstellt haben, ermutigen, es auch online mit der Gemeinschaft zu teilen. Da existiert noch eine große Hemmschwelle. Dabei ist es kein Wettbewerb, bei dem man besser sein muss als alle anderen. Es geht um eine Herausforderung, die man an sich selbst stellt: Sich auf neue Formate einzulassen und einfach mal etwas Neues auszuprobieren.

Relativ zeitnah werde ich die Social-Media-Strategie für das Projekt, das ich wissenschaftlich koordiniere, in die Tat umsetzen. Die Erwartung an den Social-Media-Auftritt eines „Science Outreach Campus“ ist natürlich, ein Best-Practice-Beispiel abzuliefern. Zum Glück liebe ich Herausforderungen!

Im Juni werde ich wieder etwas Neues ausprobieren und im Rahmen des Science-A-Thon auf Twitter und Instagram Fotos von mir selbst und meinem #dayofscience, meinem Alltag in der Wissenschaft, posten.

Längerfristig möchte ich mir ein Format überlegen, mit dem ich Schülerinnen und Schüler online erreiche. Ohne den Zwang, dass sich eine Klasse in einer Facebook-Gruppe anmelden muss.

Zum Abschluss noch eine indiskrete Frage: Gerade bei den ersten Schritten mit Social Media macht man ja oft mal komische Dinge oder läuft etwas schief. Über welche Geschichte aus deiner digitalen Jugend musst du immer noch schmunzeln?

Ziemlich zu Anfang meiner Blogger-Laufbahn habe ich einen Blogpost geschrieben (zu dem ich hier jetzt nicht verlinke ;-)), der ein oder zwei bissige Kommentare bekam, in denen ich mich falsch verstanden fühlte. In meiner damaligen Wahrnehmung hatte ich einen „Shit Storm“ losgetreten.

Daraus habe ich zwei Dinge gelernt:

1. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen. Ich kann Blogposts löschen, bei der Moderation solche Kommentare nicht freigeben oder generell keine Kommentare zulassen, für bestimmte Posts oder meinen ganzen Blog. Ich kann mich außerdem entscheiden, zu antworten oder zu ignorieren. Und ich kann mir Unterstützung holen von Leuten, die unterstützende Statements schreiben (und die kommen in der Regel sogar von alleine, wenn „der Angriff“ an sichtbarer Stelle geschieht und man ein Netzwerk hinter sich hat).

2. Ich mag mich nicht online streiten. Das heißt in der Konsequenz , dass ich strategisch damit umgehe, welche Diskussionen ich online führe. Wenn ich mich also zu Themen online nicht äußere, heißt das nicht, dass sie mir nicht wichtig sind.

Schmunzeln muss ich trotzdem, wenn ich sehe, dass besagter Blogpost immer noch gelesen – und manchmal sogar kommentiert – wird. Da habe ich offensichtlich einen Nerv getroffen!

Aber immerhin habe ich daraus gelernt, dass es noch genug andere, wirkungsvolle analoge Kanäle gibt, um sich für die Dinge einzusetzen, die einem wichtig sind. Und dass es vollkommen in Ordnung ist, Social Media gezielt nur dort einzusetzen, wo es einem selbst nicht nur sinnvoll erscheint, sondern auch persönlich liegt.

#DigitalScientist N° 1 – Interview mit André Lampe

DigitalScientist Interview Andre Lampe

Ich bin immer ganz aus dem Häuschen, wenn ich ein neues spannendes Online-Profil einer Wissenschaftlerin oder eines Wissenschaftlers entdecke. Und da wir alle Vorbilder brauchen, möchte ich euch diese inspirierenden Menschen natürlich nicht vorenthalten. In meiner neuen Blogserie #DigitalScientist interviewe ich daher (immer am ersten Mittwoch des Monats) Wissenschaftler*innen, die ihre Sache im Netz richtig gut machen.

André Lampe ist für mich jemand, an dem man beim Thema Wissenschaftskommunikation nicht vorbeikommt. Wir sind uns 2017 beim Lange Nacht Barcamp und WIMACamp über den Weg gelaufen und haben es Anfang des Jahres schließlich geschafft, uns ganz entspannt im Café Bilderbuch über Wissenschaft, Social Media und das Bloggen auszutauschen.

André versprüht grundsätzlich gute Laune und hat ständig neue Projektideen. Als Physiker und Biochemiker gilt seine Liebe den Mikroskopen und der Wissenschaftskommunikation. Aber das erzählt er am besten selbst…

 

Lieber André, was ist dein Fachgebiet und was machst du beruflich?

Ich bin Physiker (Diplom) und Biochemiker (Dr.). Mein Fachgebiet ist die Hochauflösungsmikroskopie, ein interdisziplinäres Feld aus Physik, Chemie, Bio und Computerwissenschaften. Ich bin Wissenschaftler und forsche gerade frei weiter an Mikroskopen und ich bin selbständig als Moderator und Wissenschaftskommunikator.

Die Wissenschaft findet zur Zeit in meinem Wohnzimmer statt – dort bastel ich gerade an einem Mikroskop, mit dem Ziel darüber auch ein Paper zu schreiben. Außerdem bin ich mit „Plötzlich Wissen!“ unterwegs, ein Guerilla-Projekt bei dem wir drei Wissenschaftler*innen dahin gehen, wo niemand damit rechnet, Experimente und Geschichten aus der Wissenschaft zu erleben: in Kneipen.

Als Moderator stehe ich meistens bei Veranstaltungen mit Wissenschaftsbezug auf der Bühne. Ich bin auch als Wissenschaftskommunikator unterwegs, wobei es mir immer schwer fällt, scharf zu trennen, wann ich welchen Hut auf habe, da ich mich in erster Linie als Wissenschaftler sehe. Ich bin zur Zeit gefördert für ein Projekt mit Lehrer*innenfortbildungen und Schüler*innen-Workshops unter dem Titel „Wissenschaftliches Storytelling“, ich hab unter anderem an der FU Berlin und der Uni HH „Wie man gute Vorträge hält“ und „Wissenschaftskommunikation“ unterrichtet und ich mache einiges an Formatentwicklung für die WissKomm. Ich rede, blogge und twittere liebend gerne über Mikroskopie, Open Science und das, was an Wissenschaft fasziniert.

Spannend! Wo finden wir dich online? Und mit wem und worüber kommunizierst du im Netz?

Ich habe ein Blog bei den scienceblogs.de: „die kleinen Dinge“. Dort geht es vor allem um die Mikroskopie, auch wie man als Interessierter anfängt, aber auch ab und zu mal um Wissenschaftskommunikation, Open Science und das Leben als Wissenschaftler.

Dann gibt es da noch Twitter, wo man mich unter @andereLampe finden kann. Twitter mag ich sehr gerne – eine tolle Möglichkeit mich mit vielen anderen Forschenden zu vernetzen und ich bekomme damit einen guten Überblick über die aktuelle Literatur meines Feldes. Aber ich tausche mich dort auch über Open Science aus, über alltägliche Dinge, Politisches und einiges aus dem Bastel-, Hacker- und CCC-Umfeld. Und natürlich auch über WissKomm.

Ich bin auch bei Facebook, Google+ und YouTube, aber diese Plattformen nutze ich nicht sonderlich aktiv. YouTube manchmal, wenn ich Videos für das Blog veröffentliche.

Ich habe auch einen Account bei ResearchGate, dem sogenannten „Facebook für Akademiker*innen“, aber ich tue dort eigentlich nichts mehr, denn das Geschäftsmodell dahinter stört mich. Gelöscht habe ich mich allerdings dort noch nicht, die Sache ist etwas kompliziert, aber es läuft auf „Dark sharing vs. Open access“ hinaus, denke ich. Mehr dazu kann man hier mal (auf Englisch) lesen

Für mich bist du auf jeden Fall ein #DigitalScientist. – Was braucht es deiner Meinung nach, um Wissenschaft erfolgreich online zu kommunizieren?

Danke! Der Hashtag #DigitalScientist ist eine interessante Zuschreibung. Alles, was ich bisher in der Forschung getrieben habe, war irgendwie digital. Die Mikroskope, die ich gebaut habe, lieferten vor allem Daten und die Software für die Auswertung war ein wesentlicher Teil meiner Arbeit. Ich schätze, dass es vielen Wissenschaftler*innen so geht, dass sie einen oder mehrere Aspekte ihrer Forschungsaktivitäten im digitalen Bereich haben.

 

Meiner Meinung nach braucht es drei Dinge. Begeisterung für ein Thema, den für sich selbst richtigen Kanal und Spaß an der Sache.

Auch deswegen bin ich immer wieder erstaunt, dass wenige Wissenschaftler*innen die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation ausschöpfen. Bitte nicht falsch verstehen, ich sage nicht, dass jede/r Wissenschaftler*in auf Twitter oder so sein sollte – das ist eine persönliche Entscheidung – nur oft stolpere ich über Haltungen zu dem Thema, die in Richtung „Ich mache so einen Quatsch nicht!“ gehen. Das ist schade. So funktioniert die wissenschaftliche Herangehensweise nicht. Ich würde mich freuen, öfter Dinge zu hören wie „Mir passen die AGBs nicht“, „Ich hab festgestellt, dass kostet mich zu viel Zeit“ oder „Ich hab keine Freude daran“. Dann wüsste man wenigstens, dass da ein Experiment statt gefunden hat, aber ich schweife ab.

Zur Frage was es braucht, Wissenschaft erfolgreich online zu kommunizieren: Meiner Meinung nach braucht es drei Dinge. Begeisterung für ein Thema, den für sich selbst richtigen Kanal  (oder Kanäle), um zu kommunizieren und Spaß an der Sache. Dann findet man sicher Kolleg*innen aus dem Feld, die das auch tun, interessierte Leser*innen/Hörer*innen/was auch immer.

Das Wörtchen „erfolgreich“ ist an der Frage allerdings schwierig. Hab ich Erfolg, wenn  20.000 Menschen ein Video von mir gesehen oder einen Text gelesen haben? Habe ich Erfolg, wenn eine Schülerin von mir begeistert wurde und sich ein Mikroskop kauft? Habe ich Erfolg, wenn eine Agentur mich anfragt ob ich irgendwas influencen will? Das ist schwierig, eine allgemeine Antwort darauf zu geben, finde ich.

 

Kannst du sagen, was dir die digitale Wissenschaftskommunikation gebracht hat, persönlich oder auch professionell?

Professionell waren die Auswirkungen sehr groß. Ein ganzes Kapitel meiner Doktorarbeitverdanke ich der Wissenschaftskommunikation. Ich hab mir lange den Kopf zerbrochen, wie ich das, was ich in meiner Doktorarbeit mache, in einem Blogartikel erkläre. Mir ist keine passende Metapher oder ein Bild eingefallen. Ich habe immer wieder darüber nachgedacht, ich wollte eine schöne Metapher finden – dieser Wunsch hatte sich in meinem Hinterkopf festgesetzt.

 

Das war einer DER Schlüsselmomente für mich, wo ich erkannt habe, wie viel mehr Wissenschaftskommunikation einem Forschenden bringen kann.

Es hat gut ein Jahr gedauert, bis mir ein guter Erklärungsansatz für einen Blogartikel eingefallen ist. Während ich dann den Artikel schrieb, und auch mit meinem Chef Dr. Jan Schmoranzer darüber gequatscht habe, ist uns beiden aufgefallen, dass dies nicht nur eine populärwissenschaftliche Erklärung ist. Ich hatte eine ganz neue Sicht auf mein Projekt und wir haben aus diesem Blickwinkel auch ein Paper geschrieben. Mehr noch: Wir haben zusätzliche Experimente gemacht, die sich mit einem Aspekt auseinander setzen, den wir vorher gar nicht auf dem Schirm hatten. Vorher ging es beim Projekt vor allem um Farbunterscheidung, aber mit dem neuen Blickwinkel wurde die Rauschunterdrückung immer wichtiger. Das kann man nachlesen unter „Ich hab was gegen Rauschen.“

Ich bin also durch das Suchen eines Erklärungsansatzes für Laien auf eine Sichtweise gestoßen, die mich als Wissenschaftler weiter gebracht hat. Das war einer DER Schlüsselmomente für mich, wo ich erkannt habe, wie viel mehr Wissenschaftskommunikation einem Forschenden bringen kann.

 

Wie sieht dein Social-Media-Alltag aus, wie organisierst du deine Aktivitäten im Netz?

Puh, ich glaube, ich bin da gar nicht so sehr organisiert. Twitter ist halt auf meinem Telefon und ich schaue da jeden Tag mal rein – ich kann mich glücklich schätzen, dass sich Twitter für mich irgendwie nicht nach Arbeit anfühlt, aber das gilt sicher nicht für jeden.

Wenn ich einen neuen Blog-Artikel geschrieben habe, dann geht ein Automatismus los, um die „frohe Botschaft“ breit zu streuen, über alle sozialen Medien und Kanäle auf denen ich vertreten bin.

Für „Plötzlich Wissen!“ bin ich etwas organisierter – aber da bin ich ja auch nicht alleine, sondern zusammen mit Inga Marie Ramcke und Dr. Julia Schnetzer. Wir haben so etwas wie einen Redaktionsplan für Artikel und Posts in den sozialen Medien, wobei ich mich wohl zu ca. 90% um unseren Twitter-Kanal @ploetzwiss kümmere.

Vielleicht sollte ich mich selbst noch besser organisieren, aber ich denke, dass ich das nicht tue, damit es sich nicht zu sehr nach Arbeit anfühlt und ich eventuell den Spaß daran verliere. Sicher, ein bisschen Strategie habe ich und schadet ja auch nicht, aber man muss es ja nicht übertreiben.

Ich bin neugierig. Was ist dein nächstes großes Ziel als Wissenschaftler im Netz?

Ich glaube, ich habe da gleich mehrere Ziele, wobei ich sagen würde, dass ich bei allem was ich so treibe, immer auch noch andere Kanäle mitdenke. Mir geht also nicht nur die Online-Kommunikation durch den Kopf.

Zusammen mit Dr. Bernd Rupp werde ich sehr bald einen Podcast starten: das Wirkstoffradio. Zwei Wissenschaftler erzählen über das sehr multi-disziplinare Feld der Wirkstoffforschung und interviewen auch andere Wissenschaftler*innen dazu.

Im Herbst plane ich auch ein Kneipen-Format, das sehr intensiv online begleitet werden wird, unter andrem mit der Online-Bereitstellung von Audio-Material – aber das wird kein reiner Podcast, hier wird es einiges an Interaktion geben, teilweise auch zum Mitraten. Mehr will ich noch nicht erzählen. 😉

Auf jeden Fall geht es mit „Plötzlich Wissen!“ weiter. Wir sind gerade auf der Suche nach einer Finanzierung, nachdem die Förderung durch das BMBF Ende 2017 ausgelaufen ist. Wir sind auf der re:publica mit einem Talk vertreten und planen für 2018 sowohl einiges, bei dem wir vor Ort unser Ding machen. Wir haben aber auch Ideen für eine bessere Online-Kommunikation. Dem Twitter-Kanal @ploetzwiss zu folgen kann ich nur empfehlen und ab und zu auch mal bei ploetzlichwissen.de vorbeizuschauen.

Ich habe mir auch vorgenommen, etwas mehr auf scienceblogs.de/diekleinendinge zu bloggen, aber ich schätze, das nimmt sich jeder Blogger vor, der noch keine Regelmäßigkeit in seinen Blog-Postings hat. Auf jeden Fall gibt es ab Sommer/Herbst da eine neue Serie von Artikeln.

Zum Abschluss noch eine indiskrete Frage: Gerade bei den ersten Schritten mit Social Media macht man ja oft mal komische Dinge oder läuft etwas schief. Über welche Geschichte aus deiner digitalen Jugend musst du immer noch schmunzeln?

Weniger schmunzeln, eher im Boden versinken. Ein – wohl leider klassischer Fall – von Mansplaining und Dunnig-Kruger-Effekt. Ganz unreflektiert habe ich einer Frau auf Twitter zum Thema Public-Domain-Bilder aus der Wissenschaft geschrieben und erklärt, dass das ja wohl nicht so einfach wäre. Sie hat freundlich geantwortet und nach meinen Argumenten für diese Aussage gefragt und erst dann stellte ich fest, dass da am anderen Ende der Twitter-Unterhaltung eine Expertin für Lizenzen und Copyright schrieb, noch dazu eine Abgeordnete im Europaparlament, Julia Reda.

Als mich diese Erkenntnis traf, wollte ich im Boden versinken und war ab diesem Zeitpunkt auch reflektierter, was mein Kommunikationsverhalten anging. Die Geschichte ging übrigens ganz gut aus: Ich habe um Entschuldigung gebeten und sie wurde mir gewährt. Einige Monate später nahm ich Kontakt mit Julia Reda auf, um einen Blogartikel über die EU-Copyright-Reform zu schreiben und was das alles für die Wissenschaftswelt bedeutet und Frau Reda und ihr Büro waren sehr hilfsbereit und haben mir mit vielen Quellen weitergeholfen. Ich kann also über die Sache mittlerweile schmunzeln, aber das hat lange gedauert – und ein wirklich befreites Schmunzeln ist es auch nicht. Schließlich erinnert man sich nicht sonderlich gerne an Situationen, in denen man sich wie ein Vollpfosten verhalten hat, aber ich hab immerhin daraus gelernt.

Bloggen für die Wissenschaftskarriere: Warum es sich lohnt

Bloggen für die Wissenschaftskarriere

Bloggen für die Wissenschaftskarriere? Es klingt so abgedroschen und ist doch so wahr: mit einem Blog kannst du dich als Expert*in positionieren.

Wenn ich Freunden oder Workshop-Teilnehmer*innen empfehle, einen eigenen Blog als Karriereinstrument zu nutzen, ernte ich oft skeptische Blicke.

 

Ein Blog? Dafür habe ich neben meinem Job/meiner Dissertation/meinem Bewerbungsmarathon keine Zeit. Was soll mir das denn bringen?

Ich erkläre Wissenschaftler*innen und Interessierten dann die Vorteile eines Blogs für die Sichtbarkeit in der wissenschaftlichen Community. Und darüber hinaus. Dabei höre ich in den Gesprächen vor allem Unsicherheit und Überforderung heraus:

Was habe ich davon und wie fange ich an?

Bei vielen Forscher*innen hält sich hartnäckig die Vorstellung, sie hätten nichts, worüber sie sich äußern können. Außer wissenschaftlichen Forschungsergebnissen vielleicht. Und das auch nur ein- bis zwei Mal im Jahr, wenn der neue Artikel in einem der wichtigen Journals erscheint.

Weit gefehlt! Fakt ist, dass Blogs heute nicht nur ein zentraler Bestandteil von institutioneller Wissenschaftskommunikation sind, sondern ganze Wissenschaftskarrieren voranbringen.

Warum das so ist und wie du mit deinem Blog als Expert*in wahrgenommen wirst, erfährst du hier.

5 VORTEILE EINES BLOGS FÜR DEINE WISSENSCHAFTSKARRIERE

Mit einem Blog positionierst du dich in deinem Fachgebiet

Wenn du Cyberbullying-Expertin bist und regelmäßig über die Gefahren von Mobbing, Tipps zur Medienerziehung und das Thema Zivilcourage bloggst, wirkst du glaubwürdig und kompetent. Bei der nächsten Bewerbung kann das ein Karrierevorteil sein.
Du zeigst deine wissenschaftliche Expertise und machst dich gleichzeitig als Person sichtbar. So erscheinst du professionell, aber auch vertrauenswürdig und hilfsbereit. Und baust eine Beziehung zu deinen Website-Besucher*innen auf.
Wenn du zu einem klar umrissenen Thema bloggst, positionierst du dich in den Köpfen deiner Leser*innen mit diesem Begriff. Hat jemand eine freie Stelle im Fachgebiet zu besetzen, erinnert er oder sie sich an dich: „Ich habe doch schon häufiger auf dem Blog dieser Cyberbullying-Eypert*in vorbei geschaut…“
Oder die Leser*in deines Blogs organisiert eine Tagung und sucht noch eine*n kompetente*n Referent*in. Wenn du dich regelmäßig in deinem Blog zu Wort meldest, wirst du auch auf wissenschaftlichen Podien ein gefragter Gast sein.

Mit einem Blog stehst du auf Seite 1 bei Google

Blogs dienen der Suchmaschinenoptimierung (= Search Engine Optimization = SEO). Du hast mit jedem neuen Beitrag die Möglichkeit, dein Thema auf Seite 1 bei Google zu platzieren. Wenn jemand nach einem Begriff sucht, soll dein Blogartikel ganz weit oben in den Suchergebnissen auftauchen.

Das ist durch Keywords möglich! Keywords sind einzelne Wörter oder Phrasen, die Menschen bei der Google-Suche eingeben. Sie tippen zum Beispiel „Selbstmarketing Wissenschaft“ ein. Mein Artikel „5 Gründe für digitales Selbstmarketing in der Wissenschaft“ erscheint auf Platz 6 der ersten Google-Seite. Gleich nach ähnlichen Ergebnissen von verschiedenen Hochschul-Websites.

Blogs erzielen gute Suchergebnisse bei Google, weil sie hochwertige Inhalte liefern. Belanglosigkeiten rutschen im Index nach unten. Berechnet wird das Ganze mit einem streng geheimen Algorithmus, der u.a. das Nutzerverhalten auswertet.

Ist die Verweildauer auf einer Webseite hoch, registriert Google, dass der Inhalt nützlich war. Kehrt der Suchende anschließend nicht wieder zur Suche zurück, wird auch das positiv bewertet.

Google-Ergebnis für Keywords Selbstmarketing Wissenschaft

Jeder Blogbeitrag erhöht die Chance, gefunden zu werden

Jeder neue Blogbeitrag, den du schreibst, erzeugt eine neue Seite, über die du gefunden werden kannst. Denn ein neuer Beitrag bedeutet auch ein neues Keyword. Denke daher strategisch! Und erstelle dir am besten eine Liste mit möglichen Keywords. Such dir dann jedes Mal ein neues für deinen nächsten Artikel aus.

Wenn du jede Woche einen neuen Beitrag schreibst, entstehen 52 neue Blogseiten mit 52 Keywords pro Jahr. Das sind also 52 Möglichkeiten mehr, dich über Google zu finden. Genial, oder?

 

Ein Blog liefert dir Inhalte für deine Social-Media-Kanäle

Bist du bei Twitter, Facebook oder Instagram? Sitzt du manchmal ratlos am Laptop und fragst dich, was du heute posten sollst? Deine Blogartikel eignen sich wunderbar, um sie in Social Media zu teilen. So werden deine Follower auf deine Inhalte aufmerksam. Sind sie nützlich, verbreiten sie sich wahnsinnig schnell innerhalb deiner Community.

Dein Blog ist das „Zuhause“ deines Content. Ganz egal, ob Artikel, Video, Infografik, Podcast, Comic oder Sketchnote. Wichtig ist, dass die Inhalte auf deinem Blog liegen. Denn Social-Media-Posts verschwinden schnell aus jeder Timeline.

Blogbeiträge, die du über Social Media teilst, ziehen häufig mehr Leser*innen auf deinen Blog als ein Google-Ergebnis. Besonders wenn du gerade erst mit dem Bloggen angefangen hast. Teile ein- und denselben Artikel deshalb mehrfach. Es gibt immer jemanden, der deinen vorherigen Post verpasst hat. Aber Achtung – entwickle ein Gefühl dafür, in welchen Abständen das Sinn macht.

 

Durch deinen Blog bekommst du Feedback

Über einen Blog kannst du eine Community von Gleichgesinnten aufbauen. Stelle deinen Leser*innen am Ende jedes Beitrags eine Frage. Erhältst du Kommentare, beantworte sie umgehend. So entstehen neue Kontakte und du erweiterst dein Netzwerk.

Das Feedback, das du zu veröffentlichten Artikeln bekommst, kannst du für neue Artikel nutzen. Durch Blogkommentare erhältst du tiefe Einblicke in das, was deine Community bewegt. Greif dir eine Frage oder ein Problem heraus und teile deine Gedanken dazu in einem neuen Blogpost. Deine Follower haben dadurch das Gefühl, dass du ihnen zuhörst. Das schafft Vertrauen – in dich und dein Fachwissen.

So startest du deinen Blog in 4 Schritten

Du bist motiviert, einen Blog für deine Wissenschaftskarriere zu starten? Sehr gut! Hier sind die ersten Schritte, um deinen Plan in die Realität umzusetzen.
 

1. DEFINIERE DAS ZIEL DEINES BLOGS

Das ist zweifelsohne die WICHTIGSTE Frage rund um das Thema Bloggen. Was willst du mit deinem Blog erreichen? Ohne die Antwort auf diese Frage macht es nicht einmal ansatzweise Sinn, über die Einrichtung eines Blogs nachzudenken. Ja, Blogs haben – wie du gelesen hast – viele Vorteile. Die kannst du aber nur ausschöpfen, wenn du jetzt schon weißt, wohin dich dein Blog bringen soll.

Also, stelle dir folgende Fragen:

 
  • Welches Ziel soll mein Blog unterstützen? (Professur, Selbstständigkeit, Wissenschaftskommunikation, Forschungsförderung)
  • Wer soll meinen Blog lesen? (Fachkolleg*innen oder Journalist*innen? Jugendamtsmitarbeiter*innen oder Politiker*innen?)
  • Welchen Mehrwert möchte ich meinen Leser*innen bieten? (Sie möchten entweder dazu lernen, unterhalten oder informiert werden.)
  • Mit welchem Thema erreiche ich meine Zielgruppe? (Interessen und „Schmerzpunkte“ deiner Leser*innen)
  • Wie zeige ich meine Expertise? (Anleitungen, Interviews, Experimente?)

 

2. ENTSCHEIDE DICH, WO DU BLOGGEN MÖCHTEST

Im Grunde gibt es drei Möglichkeiten.

 

  • einen selbst gehosteten Blog mit eigener URL
  • einen Blog auf einem wissenschaftlichen Blogportal
  • eine Blogserie oder einen Wissenschaftsblog auf der Website deiner Institution

 

Wofür du dich entscheidest, hängt von deinem Ziel und dem Aufwand ab, den du betreiben möchtest.

Ein selbst gehosteter Blog bedeutet maximale Unabhängigkeit. Du allein entscheidest über Inhalt und Gestaltung. Idealerweise ist dein Blog unter der URL www.vornamenachname.de zu finden. Blogs, die unter www.blogname.wordpress.com zu erreichen sind, wirken weniger seriös und hobbymäßig. Ein Blog, der deine Wissenschaftskarriere unterstützt, enhält darüber hinaus die Seiten „Über mich“, „Mein Angebot“ und „Kontakt“.

Wissenschaftliche Blogportale haben den Vorteil, dass du dich nicht um die Infrastruktur kümmern musst. Du kannst dich ganz auf das Schreiben deiner Beiträge konzentrieren. Blogportale wie scienceblogs.de, scilogs.spektrum.de und de.hypotheses.org sind bereits etabliert und bringen dir automatisch Leser*innen. Aber Achtung – analysiere genau, ob du deine Zielgruppe über eins der Blogportale erreichst.

Wissenschaftsinstitutionen verfügen häufig bereits über einen eigenen Blog. Motivierte Wissenschaftler*innen, die im Namen der Wissenschaftskommunikation bloggen möchten, sind gern gesehen. Informiere dich, welche Möglichkeit es gibt, dort selbst zu bloggen. Du machst dich damit als Expert*in für dein Thema sichtbar. Und deine Institution bekommt großartigen Content für ihre Website. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten.
 

3. ÜBE DAS BLOGGEN

Aus eigener Erfahrung weiß ich, zum Blogger wird man nicht über Nacht. Bloggen unterscheidet sich stark vom wissenschaftlichen Schreiben. Die Sätze sind kürzer, ohne Passivkonstruktionen formuliert und kommen im Ideallfall ohne Fremdwörter aus.

Bloggen heißt auch, persönlich zu werden, manchmal zu polarisieren und das Wort „ich“ zu verwenden. Das ist nicht unbedingt etwas, das du als Wissenschaftler*in durch das Schreiben einer Master- oder Doktorarbeit lernst.

Ein Blogartikel muss optisch klar gegliedert sein: kurze Absätze, interessante Zwischenüberschriften, aussagekräftige Grafiken und schöne Fotos sind ein Muss. Schreib deine Blogartikel visuell ansprechend, sonst sind deine Leser schneller weg, als deine Argumente überzeugen können.

 

4. FINDE DEINE BLOG-ROUTINE

Mir fällt es manchmal selbst noch schwer, regelmäßig zu bloggen. Doch deine Leser*innen erwarten eine gewisse Verlässlichkeit von dir. Wie würde es dir gehen, wenn neue Folgen deiner Lieblingsserie nur sehr unregelmäßig erscheinen? Würdest du begeistert bei der Sache bleiben?

Überleg dir zunächst, wie oft ein Blogartikel von dir erscheinen soll. Einmal die Woche? Alle zwei Wochen? Trag dir dann diesen Termin in deinen Kalender ein. Beginne spätestens drei Tage vor Veröffentlichungstermin mit dem Schreiben. So kannst du alles noch einmal in Ruhe durchgehen. Plane auch Zeit für die visuelle Aufbereitung und die Keyword-Pflege ein.

Ans Bloggen musst du dich gewöhnen. Nach und nach wird es zur Routine. Eine professionelle Blog-Routine funktioniert allerdings nicht ohne Redaktionsplan. Denn mit einem Redaktionsplan kannst du Blogthemen aufeinander abstimmen oder für Urlaubszeiten vorproduzieren.

 

Bloggen für die Wissenschaftskarriere? Einfach machen!

Der beste Rat, den ich übrigens einmal gelesen habe, ist: Einfach machen – auch wenn es nicht perfekt ist. Perfektion hält uns viel zu oft davon ab, Dinge auszuprobieren und daraus zu lernen. Deshalb wünsche ich dir jetzt einfach viel Spaß beim Bloggen!

Überlegst du, zu bloggen? Was wäre dein Blog-Thema? Lass es mich gerne wissen. 🙂

Wie du dich online in der Wissenschaft positionieren kannst

Wie du dich online in der Wissenschaft positionieren kannst

Hast du Angst, Privates und Berufliches bei der Nutzung von Social Media zu vermischen?

 

Für viele, die im Bereich Wissenschaft arbeiten, ist das die größte Hürde, Social Media zu nutzen. Neben den Faktoren Zeit, Selbstzweifel und digitale Skills.

 

„Darf ich mich als Mitarbeiter*in der Institution XY überhaupt öffentlich äußern? Welche Konsequenzen hat das für meine Karriere und meine Reputation? Wie halte ich meine*n Vorgesetzte*n online aus meinem Privatleben raus?

 

Sich online in der Wissenschaft positionieren? No way. Denn du hast Angst davor, etwas falsch zu machen oder online in ein Fettnäpfchen zu treten.

 

Mit ging es am Anfang auch so.

 

Die ersten Freundschaftsanfragen von Kolleg*innen aus der Hochschule bei Facebook verunsicherten mich. Annehmen? Ablehnen? Dann sehen die, wann ich online bin und auf welche Veranstaltungen ich privat gehe. Will ich das?

 

Das wollte ich nicht. Aber ablehnen kam nicht nicht in Frage. Schließlich netzwerke ich gerne und hätte es außerdem unhöflich gefunden. Also legte ich verschiedene Freundeslisten an, um zukünftig besser steuern zu können, wer welche Inhalte sieht.

 

Im September 2014 legte ich mir einen Twitteraccount zu und postete – nichts. Es sollte über ein Jahr dauern, bis ich im November 2015 meinen ersten Tweet hinaus in die Welt schickte.

 

Es ging um einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der mir als Mensch aus der Seele sprach. Was ich damit sagen wollte? Wen ich damit erreichen wollte? Keine Ahnung. Ich hatte kein bestimmtes Ziel. Ich traute mich einfach erstmals, das Medium Twitter zu nutzen.

 

Angst das Leben zu verpassen, das man eigentlich immer führen wollte? Großartiger Text: https://t.co/uCMeYFBYIo

— Susanne Geu (@SusanneGeu) 11. November 2015
 
 
 

Mit dem Beginn meiner Selbstständigkeit vor etwas mehr als einem Jahr warf ich meine Zweifel, ob ich privat oder beruflich im Internet unterwegs bin, über den Haufen.

 

Ich beschloss herauszufinden, WARUM ich überhaupt online kommunizieren und WAS ich damit erreichen möchte. Seit ich das für mich definiert habe (und im Laufe der Zeit natürlich immer weiter entwickle), muss ich mich gedanklich nicht mehr halbieren. Ich überlege nicht, in welcher Rolle ich gerade was äußere – wie befreiend und zeitsparend!

 

Wie ich diese Trennung für mich überflüssig gemacht habe – ohne mich zu verbiegen, zu verkaufen oder mich bloß zu stellen – verrate ich dir hier!

 
 

Kommunizierende #Wissenschaftler sollten nicht in privat & beruflich trennen. Stattdessen eigene #Positionierung klären und loslegen! https://t.co/m00FzqJuTg

— Susanne Geu (@SusanneGeu) 16. September 2017
 
 

7 SCHRITTE FÜR EINE AUTHENTISCHE ONLINE-POSITIONIERUNG

 

1. Definiere das Ziel deiner Online-Aktivitäten.

 

Setz dich in Ruhe hin und überlege dir, warum du in den Sozialen Medien aktiv sein möchtest. Fühl dich nicht aufgrund deiner beruflichen oder gesellschaftlichen Position dazu verpflichtet. Deine innere Motivation ist der wichtigste Antrieb.

 

Du möchtest als Geschäftsführer*in, Forscher*in oder Projektleiter*in deine Institution online sichtbar machen? Bravo! Du möchtest die breite Öffentlichkeit an deiner Forschung teilhaben lassen und die Wissenschaftsskeptiker in die Flucht schlagen? Hut ab! Du möchtest das Internet als Bühne nutzen und als Wissenschaftsmoderator*in oder Science YouTuber*in groß rauskommen? Los geht’s!

 

Das alles sind konkrete Ziele. Entscheide dich für eins davon.

 

Schreib das Ziel auf (Stichwort Vision). Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig das ist. Du verlierst dein Ziel sonst schnell aus den Augen. Es verwässert, es wird unkonkret oder es verschwindet einfach in der Hektik des Alltags – ohne, dass du es merkst.

 

2. Etabliere deinen Namen in Verbindung mit EINEM Thema.

 

Konzentriere dich auf ein Thema, anstatt mit jedem ins Gespräch kommen zu wollen. Du hast weder die Zeit noch die Expertise an allen Fronten der Wissenschaften mit zu diskutieren und mit zu gestalten. Je eindeutiger du dich deinem Thema widmest und deiner bevorzugten Zielgruppe zuwendest, desto einfacher wird es dir fallen,

 

die wichtigsten Stakeholder deines Bereichs zu identifizieren,

 

relevante Inhalte mit deiner Zielgruppe zu teilen,

 

in diesem abgegrenzten Gebiet auf dem Laufenden zu bleiben und

 

selbst neue Impulse setzen zu können.

 

3. Zeig Persönlichkeit.

 

Wer du bist, darf sich im Social Web widerspiegeln. Private Anekdoten und berufliche Statements sagen etwas über dich als Person aus. Darüber wofür du stehst, wofür du dich begeisterst und wie du die Welt siehst. Du wirst als Person greifbar und das macht dich sympathisch.

 

Gleichzeitig darfst du auch Dinge verschweigen. Das Gute ist: du hast die Kontrolle darüber.

 

Entscheide bewusst, was du teilst (und was nicht). Aber bleibe konsistent. Andere Menschen nehmen dich immer als vollständige Person wahr, nicht in einer deiner vielen Rollen.

 

4. Bring persönliche und berufliche Werte in Einklang.

 

Deine Online-Identität funktioniert nicht, wenn du innerlich zwischen persönlichen Werten und beruflichen Vorgaben hin- und hergerissen bist. Finde einen Weg, beides in Einklang zu bringen.

 

Social-Media-Verbot im Büro? Geheimhaltungsklauseln im Vertrag? Berufliches Twitterverbot? Berechtigt? Auf jeden Fall blöd. Überlege dir Strategien, wie du dich trotz oder gerade wegen dieser Rahmenbedingungen online positionieren kannst.

 

Sei kreativ:

 

Instastories nur auf dem Weg zur Arbeit statt im Labor?

 

Ausgeklügelter Zeitplan für Likes und Tweets vor oder nach Feierabend?

 

Fokussierung auf ein Thema, das garantiert nichts mit deinem Arbeitgeber, aber mit deinen Fähigkeiten zu tun hat?

 

Ich bin mir sicher, du findest einen Weg.

 

5. Tu es für dich und erwarte (erstmal) nichts dafür.

 

In der Wissenschaftskommunikation wird oft beklagt, es gäbe kein oder kein ausreichendes Anreiz- und Belohnungssystem für kommunizierende Wissenschaftler*innen. Stimmt. Aber warte nicht darauf.

 

Wenn du dein Ziel fest vor Augen hast, weißt du, warum du die zusätzliche Arbeit investierst. Wenn es dein Thema ist, wirst du in diesem Bereich bekannt werden. Am Ende zahlt sich das, was du reinsteckst, für dich und deine Karriere aus. Ok, vielleicht profitiert dein Arbeitgeber auch davon, wenn du einen guten (Kommunikations)Job machst, aber die Menschen verbinden den Erfolg mit dir.

 

Anreize für Wissenschaftler #wisskomm zu machen fehlen. Das ist eines DER Themen bei #SpeakUpForScience

— André Lampe 🔬🇪🇺 (@andereLampe) 16. September 2017
 
 

6. Richte aussagekräftige Online-Profile ein.

 

Online-Profile sind die Visitenkarte des Internets. Schreibe aussagekräftige Profiltexte. Nutze die gesamte Länge aus, die dir zur Verfügung steht. Was bietest du für wen an? Was ist dein Thema? Baue Keywords und Hashtags ein. Fülle alle Felder aus, die Sinn machen (Standort, Website etc.). Verwende als Profilbild  am besten ein Bild von dir.

 

Die meisten Leute schauen nur kurz in deine Bio, um zu entscheiden, ob du für sie interessant bist. Und ob es sich lohnt, dir zu folgen. Verpasse diese Chance nicht!

 

7. Interagiere mit anderen Usern.

 

Das Internet ist kein einsamer Ort. Nutze die Möglichkeit, dich in deinem bevorzugten sozialen Netzwerk mit anderen auszutauschen. Ein Monolog ist nicht gern gesehen und bringt dich auch nicht weiter.

 

Like, retweete, teile oder kommentiere die Inhalte von Menschen, mit denen du gerne ins Gespräch kommen würdest. Sei nicht entmutigt, wenn du beim ersten Mal keine Reaktion bekommst. Bleib einfach dran und liefere echten Mehrwert mit deinen Interaktionen. Der Erfolg wird sich einstellen!

5 Gründe für digitales Selbstmarketing in der Wissenschaft

Digitales Selbstmarketing in der Wissenschaft

Warum solltest du dir  über digitales Selbstmarketing in der Wissenschaft Gedanken machen? Als Wissenschaftler*in oder Hochschulmitarbeiter*in oder Angestellte*r in der Wissenschaft hast du schließlich einen Job und bist mit deiner Forschung, deinem Projekt und dem täglichen Papierkram mehr als gut beschäftigt. Du hattest deshalb bisher keine Zeit, dich mit diesem zusätzlichen Thema zu belasten und dich mit den möglichen Vorteilen auseinander zu setzen?

 

Damit du nicht lange suchen musst, gebe ich dir fünf sehr gute Gründe, welche Türen sich durch gutes Selbstmarketing öffnen können. Außerdem erfährst du, was das mit deiner Wissenschaftskarriere und deinem persönlichen Plan vom Leben zu tun hat.

 

Los geht’s!

 

WARUM DIGITALES SELBSTMARKETING IN DER WISSENSCHAFT DICH VORAN BRINGT

 

Du gestaltest dein Leben statt es gestalten zu lassen

 

In der Wissenschaft bist du oft von Dingen abhängig, die du gar nicht oder nur schwer beeinflussen kannst: von befristeten Arbeitsverträgen, zeitlich begrenzten Drittmittelprojekten, zur Verfügung stehenden Arbeitsmitteln, Datenschutzregeln, Befindlichkeiten in Sachen Hierarchie oder einzuhaltenden Fristen für alles Mögliche.

 

Diese Faktoren bestimmen einen Großteil deines Arbeitsalltags. Sie können dir das Gefühl geben, dass du deinen Beruf mehr fremd- als selbstbestimmt ausübst und deine persönlichen Interessen und Vorstellungen in der Hektik des Wissenschaftsbetriebs keinen Platz mehr finden.

 

Durch digitales Selbstmarketing schaffst du dir einen neuen kreativen Raum, in dem du Persönlichkeit zeigen und Themen ansprechen kannst, die dir wichtig sind. Du kannst dich online an Diskussionen beteiligen oder sie selbst initiieren. Du kannst über Twitter oder Wissenschaftsnetzwerke Kontakte knüpfen, die bisher unerreichbar schienen. Und du bist in der Lage, deine Expertise gezielt sichtbar zu machen, um deine Karriere voranzubringen.

 

Du bekommst Anerkennung

 

Anerkennung zu bekommen, ist oft nicht einfach. Obwohl du bist Expert*in in einem ganz speziellen Fachgebiet bist, Artikel veröffentlichst, auf Konferenzen sprichst oder als letzte*r die Bürotür zuschließt, sind Ansehen und Bestätigung keine automatischen Nebeneffekte deiner Arbeit.

 

Das hat nichts mit der Qualität deiner Arbeit zu tun. Es liegt schlicht daran, dass niemand davon Notiz genommen hat. Damit musst du dich allerdings nicht abfinden. Du kannst die Wahrnehmung deiner Publikationen, innovativen Konzepte oder Science Events selbst beeinflussen.

 

Wenn du dich vernetzt, Einblicke in deinen Labor- oder Büroalltag per Facebook oder Instagram zulässt, dein Wissen weitergibst und im Netz für Fragen zu deinem Thema zur Verfügung stehst, entstehen Sympathie und Vertrauen. Das sind zwei der drei Grundpfeiler für Anerkennung. Zusammen mit der dritten Komponente, deiner fachlichen Kompetenz, hast du die Basis zur Anerkennung deiner Arbeit und deiner Person geschaffen.

 

Du kannst Fördergelder akquirieren

 

Von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gibt es seit ein paar Jahren extra Fördermittel für den Bereich Kommunikation. Gute Kommunikationsideen sind immer gerne gesehen, um wissenschaftliche Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wenn du von null anfangen musst, ist die Herausforderung groß. Wenn es bereits ein Blog, einen Podcast oder ein Videoformat gibt, das du nutzt, um dich und deine Forschung bekannt zu machen, hast du beim nächsten Förderantrag bereits ein Ass im Ärmel.

 

Investor*innen und Unterstützer*innen findest du nicht nur in der klassischen Forschungsförderung. Mit der Crowdfunding-Plattform Sciencestarter (ist inzwischen Teil von Startnext) kannst du die Öffentlichkeit bitten, dich und deine Idee zu finanzieren, um sie in die Tat umzusetzen. Du bist bereits anderswo im Netz präsent? Umso besser! Das erhöht deine Funding-Chancen, weil du auf deinen anderen Kanälen auf die Aktion hinweisen und deine Fans und Follower um Unterstützung bitten kannst.

 

Du bekommst Einladungen zu Vorträgen und gibst Interviews im Fernsehen

 

Durch gutes Selbstmarketing bist du in den Sozialen Medien kontinuierlich sichtbar. Jemand googelt das Thema, mit dem du dich erfolgreich positioniert hast und wird dich als Expert*in auf diesem Gebiet wahrnehmen. Was folgt, sind Einladungen zu Vorträgen, Konferenzen oder Interviews.

 

Das bringt dir nicht nur einen netten Nebenverdienst, sondern wirkt sich auch positiv auf deine Wissenschaftskarriere oder deine Selbstständigkeit aus.

 

Blogge oder twittere darüber und du erreichst weitere Menschen, die sich mit dir und deiner Arbeit identifizieren können.

 

Du verbesserst deine Medienkompetenz

 

Bloggen, twittern und podcasten lernt man nicht, indem man darüber liest. Probier es aus und beginne mit dem Kanal, mit dem du dich am wohlsten fühlst. Wie oft du posten solltest, wie du deine Schreibstimme findest, welche Ideen und Fotos bei deinen Followern ankommen, all das lernst du nur durchs Machen.

 

Diese Kompetenzen helfen dir nicht nur bei der Online-Kommuikation. Sie verbessern dein Gespür dafür, wie du Informationen verpacken musst, damit sie verstanden werden – egal ob bei einem Fachvortrag, auf einer Science-Slam-Bühne oder für einen Wissenschaftsfilm.

 
 

Schreib mir gerne in die Kommentare, was dir die Präsenz in den Sozialen Medien gebracht hat und welche Gründe für dich eine Rolle gespielt haben.

Warum Hochschulmitarbeiter und Wissenschaftler auf die re:publica gehen sollten

Hochschulmitarbeiter und Wissenschaftler auf der republica

Vor zwei Jahren wäre ich nie auf die Idee gekommen, einen Dienstreiseantrag für die re:publicazu stellen. Der wäre wahrscheinlich abgelehnt worden. Hätte schließlich nichts mit der Beschreibung meines Aufgabenkreises (BAK) zu tun gehabt. Heute würde ich darauf bestehen – oder Bildungsurlaub nehmen (geht!).

Genau das empfehle ich dir, wenn du nur in Ansätzen für die Kommunikation innerhalb deiner Hochschule, deiner Fakultät, deines Studiengangs oder deines Arbeitsbereichs verantwortlich bist.

Und zwar aus den folgenden 5 Gründen:

1. Du erweiterst deinen Horizont

Die Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung „Wissenschaftsjahr 2016*17“ war dieses Jahr Partner der re:publica. Im Track sub:marine ging es um Fragen rund um den Lebensraum Meer und die nachhaltige Nutzung unserer Ressourcen.

Kein Fachgebiet, in dem ich mich ansatzweise auskenne oder das meine tägliche Arbeit betrifft. Aber, in (fast) jeder Session – egal aus welchem Track – geht es auch um Kommunikation. Darum, wie wir in Zukunft miteinander kommunizieren und welche neuen Kommunikationsformate uns mit 360°-Fotos, 360°-Videos, Augmented (AR) und Virtual Reality (VR) zur Verfügung stehen werden. Oder warum Podcasts immer beliebter werden.

Und dann? Zurück an den Schreibtisch und ein 360°-Video für das nächste Hochschulevent produzieren? Nicht unbedingt. Es geht viel mehr um Inspiration und den Blick für das Große und Ganze. Wer weiß, was technisch möglich ist, kann Kommunikationsformate gezielt auswählen, Aufwand und Nutzen besser einschätzen.

 
Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane
 

2. Du lernst neue Tools für deine tägliche Arbeit kennen

Auf die Session „Multimediales Storytelling ohne Code und Kohle“ bin ich nur zufällig gestoßen. Der Veranstaltungsort (Media Cube) war völlig überfüllt, mir wurde heiß und schwindelig. Die Leute standen dicht gedrängt, weil sie keinen Tipp der beiden Journalisten Daniela Späth und Michael Penke verpassen wollten.

Denn es war einer jener Workshops, der konkrete Tools vermittelte, um aus einfachen Blogartikeln ein multimediales Leser-Erlebnis zu machen. Storytelling – und dann auch noch multimedial – spielt im Studierenden- und Hochschulmarketing eine immer wichtigere Rolle. Gut, hier nicht nur mitreden, sondern auch mitmachen zu können.

 
 

Mit der App Fyuse kann man mit dem eigenen Handy 3D-Bilder erstellen und in die eigene Webseite einbinden. Während der Aufnahme dreht man sich einmal komplett um eine Person oder ein Objekt herum. Die 360°-Aufnahmen eignen sich dafür, Interviewpartner vorzustellen oder neue Technik und große Gebäude aus allen Blickwinkeln zu zeigen.

Das Tool Genially erlaubt dir, interaktive Infografiken zu erstellen. TapeWrite unterstützt Audio-Aufnahmen (wie Podcasts) mit Bild und Text. Der Beitrag sieht dann wie ein Zeitstrahl aus, auf dem der User hin und her springen kann und an den entsprechenden Stellen zusätzliche Infos zum Interviewpartner oder Fotos von bestimmten Orten eingeblendet bekommt.

Auf ihrem Blog bleiwüsten.de stellen die beiden Journalisten übrigens jeden Freitag ein neues Tool vor.

 

3. Du knüpfst wichtige Kontakte

Als Hochschulmitarbeiter oder Wissenschaftler ist man auf der re:publica nicht allein. Im Gegenteil. Es ist die Gelegenheit, mit Kommunikatoren von anderen Hochschulen oder Wissenschaftseinrichtungen, mit Wissenschafts- und Studi-Bloggern und Digitalisierungsexperten ins Gespräch zu kommen.

Verabrede dich im Vorfeld oder spontan während der drei Tage über Facebook oder Twitter zu einem Kaffee auf der re:publica. Denn neben den Sessions ist Netzwerken das Wichtigste auf dieser Veranstaltung. Intern wird die re:publica als das Klassentreffen der Digitalszene bezeichnet.

Du kennst noch niemanden, der ebenfalls dort ist? Kein Problem! Dann lege ich dir das Meetup Wissenschaftskommunikation ans Herz. Letztes Jahr noch recht klein und überschaubar mit 10 Personen, trafen sich in diesem Jahr ungefähr 50 Menschen, die sich für Wissenschaft, Hochschule, Kommunikation und Digitaltrends begeistern.

Je nachdem mit wem man ins Gespräch kommt, bekommt man spannende Tipps für die eigene Arbeit oder kennt plötzlich neue Kooperationspartner. In unserer Diskussionsrunde ging es um Leitlinien für gute Wissenschafts-PR,  das histocamp für alle, die mit Geschichte arbeiten, den Wissenschaftspodcast der Uni Innsbruck und das Science Media Center, das aussagewillige und aussagefähige Experten an Journalisten vermittelt.

 
Meetup Wissenschaftskommunikation
 

4. Du kannst Ideen diskutieren

Wenn du das erste Mal auf der re:publica bist, dann wahrscheinlich nicht als Speaker. Speaker zu sein hat aber den großen Vorteil, das eigene Thema mit einem großen Publikum zu teilen und zu diskutieren. Wenn du dich traust, reich einfach ein paar Monate vorher ein Skript zum Call for Papers ein. Mit ein bisschen Glück stehst du dann Anfang Mai auf einer der Bühnen.

Ideen vorzustellen und Meinungen einzuholen funktioniert aber auch im Kleinen. Vergiss nicht: Auf der re:publica kannst du Leute treffen, die – genau wie du – neue Kommunikationsformate ausprobieren wollen, sich für Trends in der Digitalszene interessieren und für eine Hochschule kommunizieren oder selbst forschen. Also nutz die Chance, dich über Fragen auszutauschen, für die sonst niemand an deinem Arbeitsplatz ein offenes Ohr hat.

Zum Beispiel darüber, ob Wissenschaftlern das Twittern beigebracht werden sollte. Ein Wissenschaftskommunikator vertrat beim Meetup die Meinung: Ja, unbedingt! Es sei ein wichtiges Tool, um an neue Infos heranzukommen und um selbst besser in der Wissenschaft(skommunikation) zu werden. Der Vorteil: Der Wissenschaftler muss sich bei Twitter – anders als auf einer Bühne – nicht so exponieren, um Ergebnisse zu verbreiten.

Eine andere Wissenschaftlerin widersprach vehement. Als Forscher exponiere man sich sehr auf Twitter – vor allem im Klimabereich. Twitternde Wissenschaftler säßen schließlich nicht allein hinter ihrem Computer, sondern kommunizieren praktisch mit der ganzen Welt.

 

5. Du netzwerkst für die eigene Karriere

Der Besuch der re:publica bringt dich auch beruflich voran. Klar, die Arbeit auf dem Schreibtisch bleibt für drei Tage liegen. Aber betrachte die Zeit als Investment in deine eigene Karriere und deinen Expertenstatus. Für wen willst du sichtbar sein und mit welchen Themen?

Diskussionen an der Hochschule rund um Digitalisierung, Online-Marketing und Social Media finden in Zukunft nicht mehr ohne dich statt. Auch auf der re:publica selbst behalten dich deine neuen Businesskontakte als digitalaffinen Kommunikator in Erinnerung und kommen vielleicht bei der nächsten Jobausschreibung auf dich zurück.

Netzwerken kannst und musst du dabei innerhalb und außerhalb der Hochschul- und Wissenschaftsfilterblase. Das Meetup der Digital Media Women eignet sich zum Beispiel, um Menschen aus anderen Branchen kennen zu lernen: Film, Radio, Energiekonzern oder Marketingagentur. Aus diesen eher zufälligen Begegnungen können spannende gemeinsame Projekte entstehen.

 

Fazit: Wir sehen uns auf der re:publica 2018

Die re:publica ist für mich immer ein Ort, an dem neue Ideen und neue Kontakte entstehen. Und ich freue mich, wenn auch wir uns 2018 dort sehen!