Kategorie-Archive: Sichtbarkeit und Mindset

Wie viel Sichtbarkeit brauchen Wissenschaftler*innen?

Hast du dich auch schon einmal gefragt, wie viel Sichtbarkeit Wissenschaftler*innen brauchen? Welche Online-Profile sind die richtigen? Wo solltest du präsent sein? Wie viel Selbstmarketing ist genug?

Die Antworten auf diese Fragen sind nicht für jede*n gleich. Und komplex. Aber kurz gesagt ist deine Sichtbarkeit als Wissenschaftler*in immer von deinen beruflichen Zielen, deinem Workload, deiner Persönlichkeit und deiner Affinität zu digitalen Medien abhängig.

Und bestimmt auch von technischen und persönlichen Ressourcen.

4 Arten von Sichtbarkeit in der Wissenschaft

Damit es aber noch konkreter für dich wird, habe ich mir 4 Arten von Sichtbarkeit überlegt. Die vier Kategorien basieren auf meiner jahrelangen Workshop-Erfahrung mit Wissenschaftler*innen und der Analyse von hunderten Social-Media-Auftritten und Wissenschaftler*innenwebsites.

Entweder erkennst du dich bereits in einer dieser Kategorien wieder. Oder die Einteilung hilft dir dabei, dich zu entscheiden, wie viel Sichtbarkeit du als Wissenschaftler*in erreichen möchtest.

Bereit? Let’s go!

Übrigens, die Sichtbarkeit (aber auch die Arbeit (!)) steigt mit jeder Kategorie.

Also, wer möchtest du sein?

  • CV-Wissenschaftler*in

  • Akademische*r Networker*in

  • Wissenschaftskommunikator*in

  • Sciencefluencer*in

Notwendige Disclaimer: nichts ist in Stein gemeißelt

Ich erkläre dir gleich, welche typischen Merkmale jede Art von Sichtbarkeit hat. Bevor ich das tue, muss ich aber noch ein paar Dinge vorausschicken.

Kategorien dienen der Vereinfachung. Das ist super praktisch. Heißt aber auf der anderen Seite trotzdem nicht, dass sie nur so existieren dürfen, wie ich sie im Folgenden beschreibe. Im Gegenteil. Die 4 Arten von Sichtbarkeit gehen ineinander über. Es gibt keine scharfe Trennlinie.

Außerdem werden manche Merkmale auf dich gar nicht zutreffen. Oder du identifizierst dich zwar mit einer Kategorie, bist aber in dem sozialen Netzwerk, das für diese typisch sein soll, nicht vertreten. Daran ist nichts falsch. Sieh die Sichtbarkeitstypen eher als Inspiration statt als strenges Regelwerk.

Jetzt geht’s aber wirklich los! 

CV-Wissenschaftler*in

In meinen Workshops ist das die Sichtbarkeitsstufe, die die meisten Wissenschaftler*innen erreichen möchten. Sie wollen online gefunden werden. Und einen guten Eindruck hinterlassen, wenn jemand nach ihrem Namen sucht.

Regelmäßige Beiträge in den sozialen Netzwerken, Interaktion mit Follower*innen und aktive Wissenschaftskommunikation streben CV-Wissenschaftler*innen nicht an. Zeitmangel und das Fehlen interessanter Inhalte, über die sie schreiben könnten, geben sie dabei häufig als Gründe an.

Auf der Website (das kann die Uni-Website oder die persönliche Website sein) sollen vor allem die wissenschaftlichen Fakten über sie als Person zu finden sein. Deshalb sind ihnen der CV und die vollständige Publikationsliste wichtig.

Ihre Profile z. B. bei ORCID, Google Scholar, ResearchGate oder LinkedIn richten sie einmal ein und aktualisieren sie bei Bedarf. Der Aufwand für die Online-Sichtbarkeit soll sich in überschaubaren Grenzen halten. Alle wesentlichen Informationen zur wissenschaftlichen Person sollen Professor*innen, Gutachter*innen und Entscheider*innen trotzdem mit einer schnellen Google-Suche über sie finden.

 

Merkmale CV-Wissenschaftler*in

  • Zielgruppe: alle, Öffentlichkeit
  • keine aktive Wissenschaftskommunikation
  • Online-Profile als CV-Alternative
  • Fokus auf „Gefunden werden bei Bedarf“
  • keine eigenen Beiträge und Posts in Social Media
  • kein Interesse an Interaktion
  • bevorzugte Kanäle: ORCID, Google Scholar, ResearchGate, LinkedIn

Was das für die Sichtbarkeit bedeutet

Als CV-Wissenschaftler*in bist du sichtbar, wenn jemand namentlich nach dir im Internet sucht. Du wirst wahrscheinlich nicht von Journalist*innen aufgespürt werden, weil sie eine*n Expert*in zum Thema „biologisch abbaubare Verpackungsmaterialien“ suchen.

Das könntest du theoretisch sogar sein. Aber vermutlich gibt es keine Texte, Statements, Beiträge, Tweets oder Interviews mit dir im Netz, in denen du dein Fachgebiet Wissenschaftslaien näher gebracht hast. Und entsprechende Keywords zu dir tauchen daher in einer Google-Recherche nicht auf.

Darüber hinaus bist du anderen Wissenschaftler*innen nicht als aktiv kommunizierende Wissenschaftler*in bekannt. Sichtbarkeit im Rahmen eines persönlichen Netzwerks und die damit verbundene Reichweite entstehen nicht.

Als CV-Wissenschaftler*in hast du die Basis dafür geschaffen, dass die Suchmaschine vernünftige Ergebnisse zu dir und deinem Werdegang ausspuckt. Ein Online-Scientist bist du damit aber noch nicht.

 

Akademische*r Networker*in

Akademische Networker*innen gehen einen Schritt weiter. Sie suchen online bewusst den Kontakt zu Fachkolleg*innen. Dazu nutzen sie bevorzugt Twitter oder LinkedIn.

Im Fokus steht der fachliche Austausch mit der Scientific Community, nicht unbedingt die aktive Wissenschaftskommunikation an die breite Öffentlichkeit.

Das Interesse von Akademischen Networker*innen ist nicht, Zielgruppen außerhalb der Wissenschaft mit ihrem Wissen zu entertainen. Vielmehr geht es darum, den eigenen wissenschaftlichen Wirkkreis zu erweitern.

Wenn sie kommunizieren (und das passiert meistens anlassbezogen), geht es um Artikel, Forschungsergebnisse, Konferenzteilnahmen, die Promotion, die Habilitation, interessante Beiträge in Kolloquien usw.

Hobbys und Interessen, die über die Wissenschaft hinaus gehen, werden selten kommuniziert. Beiträge und Online-Profile sollen vor allem Professionalität und Seriosität ausstrahlen.

Merkmale Akademische*r Networker*in

  • Zielgruppe: Scientific Community
  • keine Wissenschaftskommunikation an breite Öffentlichkeit
  • seriöse Online-Profile
  • Fokus auf Zitationen, Artikel, Konferenzteilnahmen, Promotion
  • Hobbys und Interessen neben der Wissenschaft bleiben oft außen vor
  • Interaktion nur zu bestimmten Anlässen
  • bevorzugte Kanäle: ORCID, Google Scholar, ResearchGate, Twitter, LinkedIn, Website mit Basisdaten

Was das für die Sichtbarkeit bedeutet

Als Akademische*r Networker*in interagierst du online mit anderen Menschen. Genau das führt zu Sichtbarkeit. Du wirst mit deinem Forschungsgebiet, deinen Veröffentlichungen und deinen Wissenschaftsthemen im Kreis deiner Peergroup sichtbar werden.

Und auch darüber hinaus. Du wirst neue Menschen kennenlernen. Natürlich vor allem aus der Scientific Community. Aber ebenso Wissenschaftsjournalist*innen oder Politiker*innen.

Das Prinzip ist (mehr oder weniger) einfach. Je aktiver du bist und mit je mehr Menschen du dich austauschst, desto größer ist deine Sichtbarkeit. Du solltest deinen Erfolg trotzdem weniger in blanken Zahlen messen (also an Follower*innen), sondern eher an der Qualität der Kontakte festmachen.

Wie fruchtbar ist der Austausch? Welche Ideen sind entstanden? An wen kannst du dich wenden? Auf wen kannst du dich verlassen?

 

Wissenschaftskommunikator*in

Wie der Name schon sagt kommunizieren Wissenschaftskommunikator*innen Wissenschaft. Vor allem an die breite Öffentlichkeit, wissenschaftsbegeisterte Laien oder Studierende.

Im Laufe der Zeit habe ich den Eindruck gewonnen, dass sich Wissenschaftskommunikator*innen auch als solche verstehen. Es steckt Begeisterung, Spaß und Leidenschaft dahinter, wissenschaftliche Inhalte für externe Zielgruppen verständlich aufzubereiten.

Der Fokus liegt ganz klar auf dem Austausch mit dem Publikum. Daher veröffentlichen Wissenschaftskommunikator*innen regelmäßig Beiträge in den sozialen Medien. Sie kennen den Vibe ihres Netzwerks, stellen Fragen an ihre Follower*innen und bringen sich in Diskussionen auf  thematisch verwandten Kanälen ein.

Die Inhalte auf Twitter, Instagram, YouTube oder ihrem Blog sind gut vorbereitet. Oft haben Wissenschaftskommunikator*innen eigene ausgedachte Formate oder Kategorien, die sich regelmäßig wiederholen. Für Anfragen zu Interviews, Vorträgen oder als Gast in TV-Formaten sind sie häufig sehr offen.

Merkmale Wissenschaftskommunikator*in

  • Zielgruppe: breite Öffentlichkeit, wissenschaftsbegeisterte Laien, Studierende
  • kreative und aktive Wissenschaftskommunikation
  • aussagekräftige Online-Profile
  • Fokus auf Austausch mit Publikum
  • regelmäßige Beiträge und Posts in Social Media, oft mit eigenen Fotos & Grafiken
  • Interesse an Interviews, Vorträgen, TV-Formaten
  • bevorzugte Kanäle: Twitter, Instagram, YouTube, Blog

Was das für die Sichtbarkeit bedeutet

Wie viel Sichtbarkeit brauchen Wissenschaftler*innen? Das war die Ausgangsfrage dieses Blogartikels. Vielleicht ist dir bis hierhin schon Folgendes klar geworden: Sichtbarkeit ist eine Entscheidung. Wissenschaftskommunikator*innen entscheiden sich klar für Sichtbarkeit. Und die bekommen sie auch.

Bei soviel Einsatz kommt auch viel raus. Vielleicht nicht sofort, aber wer Ausdauer mitbringt, kreativ ist und sich online sympathisch und ansprechbar präsentiert, wird früher oder später gesehen.

Das kann in vorher ungeahnten Ausmaßen gipfeln. Presseanfragen, Moderationsjobs, Dozent*innen-Tätigkeiten, Einladungen in Gremien, Keynote-Vorträge, Kooperationen für neue Forschungsprojekte und so weiter. Mach dich auf Einiges gefasst!

 

Sciencefluencer*in

Ja, auch in der Wissenschaft gibt es Influencer*innen. Zwar wenige, aber es gibt sie. Die Sciencefluencer*innen sind selbst oft noch ziemlich jung (Mitte/Ende 20). Sie schaffen es, einer breiten Öffentlichkeit Wissenschaft als etwas Cooles und Spannendes zu vermitteln.

Und erreichen damit Zielgruppen, die sich für bestimmte Inhalte sonst nie interessiert hätten. Ich finde das sehr beeindruckend.

Von ihren „ernsthaften“ Wissenschaftskolleg*innen werden sie hin und wieder belächelt. Weil oftmals (vermeintlich?) der Lifestyle als Wissenschaftler*in mehr im Fokus steht als die tatsächliche Forschungsarbeit.

Sciencefluencer*innen nehmen ihren Job sehr ernst und stecken viel Zeit und Arbeit in ihre Beiträge. Der Community-Aufbau und die Community-Pflege haben hohe Priorität. Daher haben manche von ihnen mehrere Zehntausend oder Hunderttausende von Follower*innen.

Sciencefluencer*innen sind Vorbilder für junge Menschen und wecken unter Umständen den Wunsch, selbst einmal in die Forschung zu gehen.

Merkmale Sciencefluencer*in

  • Zielgruppe: breite Öffentlichkeit, junge Menschen
  • Wissenschaftskommunikation als 1. oder 2. berufliches Standbein
  • Fokus auf „Lifestyle als Wissenschaftler*in“ (oft mehr Persönlichkeit als Forschung)
  • regelmäßige Beiträge und Posts in Social Media
  • Ziel: Reichweite generieren, große Community aufbauen
  • Community-Aktionen, Gewinnspiele, Kooperationen
  • bevorzugte Kanäle: Instagram, YouTube, TikTok, Blog

 

Was das für die Sichtbarkeit bedeutet

Wenn wir Sichtbarkeit im Sinne von Reichweite definieren, dann hast du als Sciencefluencer*in den Gipfel der Sichtbarkeit erreicht. Mehr geht kaum. Auch hier warten Presseanfragen, Moderationsjobs, Einladungen als Rolemodel und Expert*in auf dich!

Du könntest dir als Sciencefluencer*in eine Karriere neben der Forschung aufbauen. Oder irgendwann das alles hauptberuflich machen.

Als Sciencefluencer*in steht du so oder so vor der Herausforderung, deine Sichtbarkeit und Reichweite verantwortungsvoll zu nutzen. Das darf (und sollte!) aber auch Spaß machen. Also, let’s go!

 

8 gute Gründe für digitale Wissenschaftskommunikation

Warum solltest du als Wissenschaftler*in mit digitaler Wissenschaftskommunikation anfangen?

Es gibt genügend Gründe, die dagegen sprechen. Keine Zeit, Gefahr von HateSpeech, großer Aufwand, unbekanntes Terrain und vielleicht sogar schräge Blicke von der*dem Promotionsbetreuenden.

Es gibt aber noch mehr, die dafür sprechen! In diesem Blogpost möchte ich dir 8 gute Gründe für digitale Wissenschaftkommunikation liefern. Verrate mir doch in den Kommentaren oder auf Twitter oder Instagram, welcher Grund dich überzeugt.

 

Warum du mit digitaler Wissenschaftskommunikation anfangen solltest

1. gezielte Online-Suche nach Expert*innen

Wir alle suchen bei Google oder einen anderen Suchmaschine nach Informationen.

Auch Journalist*innen, Konferenzorganisator*innen oder Wissenschaftskolleg*innen öffnen ganz selbstverständlich den Browser. Und tippen „Mikroskopie Wissenschaftskommunikation“ oder „Expert*in zweisprachige Erziehung von Kindern“ in das Suchfeld ein.

Wie cool wäre es, wenn jemand so auf dich stößt, ohne vorher deinen Namen gekannt zu haben? Und dich zu Interviews, Vorträgen oder auf ein Podium einlädt?

Dieser Effekt passiert nicht von heute auf morgen. Aber wenn du regelmäßig zu deinem Thema über einen Blog, über Twitter, LinkedIn oder einen anderen Kanal kommunizierst, wirst du früher oder später digital sichtbar

Unterstützen kannst du dies, wenn du die Grundlagen für Suchmaschinenoptimierung berücksichtigst.

 

2. Google-Check bei Bewerbungen

Höchstwahrscheinlich wirst du bei Bewerbungen auf eine neue Stelle oder bei Forschungsanträgen digital abgecheckt. Beherrschst du die digitale Kommunikation? Mit wem interagierst du online? Welche Themen und Botschaften bringst du zur Sprache?

Deine digitalen Kommunikationsfähigkeiten und deine Online-Präsenz können in Wettbewerbssituationen den entscheidenden Vorteil bringen. Wenn zum Beispiel mehrere Bewerber*innen gleich gut qualifiziert sind.

 

3. Digitales Networking

Das Internet bietet dir unzählige Möglichkeiten, Forschungskolleg*innen online kennen zu lernen. Ob bei ResearchGate, LinkedIn, Twitter, Instagram oder Facebook. Häufig kommt man viel leichter ins Gespräch als auf einer Konferenz oder per Mail.

Schau doch mal, ob es Personen bei Twitter gibt, die du interessant findest. Meine Tipps für wissenschaftliches Networking auf Twitter können dir dabei weiterhelfen.

 

4. Digital auf dem Laufenden sein

Digitale Wissenschaftskommunikation hat nicht nur den Vorteil, selbst kommunizieren zu können. Damit einher geht, dass du immer auf dem Laufenden bist, was in deinem Wissenschaftsbereich aktuell passiert.

Du erfährst über Twitter zum Beispiel von den neuesten Papern, bekommst Direktnachrichten von Kolleg*innen, die dir schnell etwas mitteilen wollen und bist auch wissenschaftspolitisch am Puls der Zeit.

 

5. Aufmerksamkeit der Medien gewinnen

Du wolltest schon immer mal Gast in deiner Lieblingswissenschaftssendung sein und Fragen zu deinem Forschungsthema beantworten? Oder von den großen Tageszeitungen interviewt werden?

Glaub mir, je mehr und regelmäßiger du online kommunizierst, desto größer auch die Wahrscheinlichkeit, dass Journalist*innen auf dich aufmerksam werden.

Diese Studie besagt, dass du ab ca. 1000 Follower*innen bei Twitter über die eigenen Wissenschaftsgrenzen hinaus wahrgenommen wirst.

 

6. Agendasetting

Zu den guten Gründen für digitale Wissenschaftskommunikation gehört ebenso die Möglichkeit, Themen ins Gespräch zubringen, die dir am Herzen liegen.

Sei es Wissenschaftspolitik, gesellschaftliche Missstände, Gender- und Diversity-Themen oder Frauen in der Wissenschaft. Wofür brennt dein Herz?

 

7. gefragte Fähigkeit vorweisen

Aktive digitale Wissenschaftskommunikation wird von Wissenschaftler*innen immer mehr erwartet.

Du musst in Forschungsanträgen angeben, wie du die Projektergebnisse (nachhaltig) kommunizierst. Und auch immer mehr Hochschulen freuen sich über kommunikationsfreudige Forschende, deren kompetente Präsentation nach außen auch die eigene Forschungsinstitution gut dastehen lässt.

 

8. Spaß an der Vermittlung

Last but not least ist ein Hammerargument natürlich auch der eigene Spaß an der Vermittlung von Wissenschaft.

Vielleicht macht es dir unbändige Freude, Menschen wissenschaftliche Zusammenhänge näher zu bringen, dir dir auf dem Campus und im Seminar nicht begegnen.

Oder du hast Lust, neue Formate auszuprobieren, mit Audio und Video zu experimentieren. Und dich digital auszutauschen. Dann go for it!

 

Semesterstart: 10 Ideen, wie du die Seminarvorbereitung für deine Sichtbarkeit nutzen kannst

Zeit ist in der Wissenschaft vielleicht das höchste Gut. Nie scheint genug davon da zu sein.

Besonders als Doktorand*in hast du bestimmt das Gefühl, zig Aufgaben hinterher zu rennen. Und jetzt auch noch digital über Wissenschaft kommunizieren, um sichtbar zu werden?

Deshalb ist mein ultimativer Tipp an der Stelle: Kommuniziere das, woran du sowieso gerade arbeitest. Und das ist neben deiner Forschung ja auch Lehre. Deshalb schauen wir uns heute zusammen an, wie du deine Seminarvorbereitung für mehr Sichtbarkeit nutzen kannst.[

Hier kommen meine 10 Ideen für dich.

 

Seminarvobereitung für deine Sichtbarkeit nutzen

1. Frag nach Literaturtipps

Nach außen hin sichtbar zu werden, bedeutet nicht immer nur, eine neue Studie oder eine bahnbrechende Erkenntnis zu posten. Es kommt vor allen darauf an, den Dialog nach außen zu suchen.

Du musst also noch gar nichts in der Hand haben. Sondern könntest zum Beispiel das Thema deines Seminars nennen und nach Literaturempfehlungen fragen.

Das funktioniert natürlich umso besser, je mehr Follower*innen du bereits hast oder je stärker du online vernetzt bist. Also lass dich nicht entmutigen, wenn du gerade anfängst, online zu kommunizieren.

In der Wissenschaftswelt hilft man sich gerne untereinander. Die anderen haben deine Frage vielleicht nur nicht gesehen. Oder dein Netzwerk ist noch ein bisschen zu klein. Aber das wird! Versprochen!

 

2. Suche online nach Referent*innen und Kooperationspartner*innen

Du würdest gerne externe Gäste in dein Seminar einladen, die Input für die Studierenden liefern? Dann kommuniziere das doch einmal online.

Wenn du bereits eine konkrete Idee hast, schreib der Person eine Direktnachricht über Twitter, LinkedIn oder Instagram. Oder tagge mehrere Personen in einem Post, die du dir gut als Themenpat*innen vorstellen kannst.

Oder frag unverbindlich in die große Runde. Wichtig ist, dass es thematisch wirklich passt und der Aufwand sich für die anderen in Grenzen hält. Bring auf alle Fälle deine Wertschätzung für diese Art der Unterstützung zum Ausdruck.

Ich bin mir sicher, so ergeben sich neue Kontakte und ein spannender Austausch für dich. Und gleichzeitig bist du als Wissenschaftler*in mit deinem Thema online präsent.

 

3. Stelle deine didaktische Methode in einem Blogbeitrag vor

Wie baust du dein Seminar didaktisch auf? Welche Methoden stehen im Vordergrund? Welche Aufgaben erwarten die Studierenden? Wie strukturierst du die Themen über das Semester hinweg? Gib online Einblicke in das Konzept deines Seminars.

Du kannst einen Blogbeitrag (oder mehrere) darüber schreiben. Oder deine didaktische Vorgehensweise sukzessive bei Twitter, LinkedIn oder Instagram in Kurzbeiträgen begleiten. Vielleicht fällt dir noch eine weitere kreative Möglichkeit ein.

 

4. Rezensiere ein Buch oder einen Artikel

Du liest gerade ein Buch oder einen Artikel für deinen anstehenden Kurs? Dann nutze diese Seminarvorbereitung für deine Sichtbarkeit. Und schreib eine kurze Rezension oder Zusammenfassung.

Füge hinzu, warum du diesen Text für deine Studierenden ausgewählt hast. Oder welchen Aspekt du mit ihnen diskutieren wirst. Wenn du deine Artikel- oder Buchbesprechung auf einem Social-Media-Kanal veröffentlichst, tagge den*die Autor*in.

 

5. Tausche dich online über Hürden und Blockaden aus

Sichtbarkeit erreichst du nicht nur dann, wenn du online Erfolge feierst, besonders witzig bist oder Meilensteine verkündest. Bleib authentisch und berichte online hier und da auch über Schwierigkeiten, Hürden oder Blockaden während deiner Seminarvorbereitung.

Frag in die Runde, wer das auch schon einmal erlebt hat. Und welchen Tipp dir diese Person geben kann, um das Problem zu lösen. Du schlägst hier zwei Fliegen mit einer Klappe: neben der Sichtbarkeit bekommst du (die vielleicht noch viel wertvollere) moralische Unterstützung.

 

6. Stelle den Themenplan deines Seminars online

Du hast gerade den Themenplan für dein Seminar fertig gestellt? Warum nicht online posten oder zumindest Auszüge daraus veröffentlichen?

Vielleicht möchten Gasthörer*innen zu einem deiner geplanten Themen vorbeikommen (sofern erlaubt). Oder du informierst so deine Studierenden vorab und bekommst schon jetzt Rückmeldungen, welche Veranstaltungen sie innerhalb des Semestern besonders interessant finden.

 

7. Starte eine Umfrage, was deine Follower*innen besonders am Thema interessiert

Das bringt uns direkt zur nächsten Idee, wie du deine Seminarvorbereitung für deine Sichtbarkeit nutzen kannst. Auch wenn du Vermutungen hast, welche Aspekte besonders beliebt sein werden. Erstelle eine Umfrage, um das herauszufinden und Interaktion anzuregen.

Umfragen lassen sich leicht bei Twitter mit dem Umfrage-Button einbinden. In einem LinkedIn-Post kannst du über die verschiedenen Optionen mit unterschiedlichen Emojis abstimmen lassen.

Umfragen sind bei Follower*innen ein beliebtes Format, weil es kaum Aufwand bedeutet, schnell für etwas abzustimmen. Möchtest du genauere Informationen, bitte um Kommentare. Für einen Kommentar nehmen sich weniger Menschen Zeit. Umso wertvoller, wenn du einen bekommst.

 

8. Teile ein inspirierendes Zitat und verbinde es mit einer persönlichen Geschichte

Du bist auf ein inspirierendes Zitat während deiner Seminarvorbereitung gestoßen? Dann teile es mit der Welt da draußen. Zitate funktionieren in der Social-Media-Welt sehr gut.

Besonders wenn du es grafisch noch ein wenig aufbereitest. Ganz leicht geht das mit dem kostenlosen Grafiktool Canva, das ich auch für viele meiner Designs nutze.

Vielleicht fällt dir zu dem Zitat noch eine persönliche Geschichte (zum Beispiel aus deinem Alltag als Wissenschaftler*in) ein. Dann versuche, die Verbindung zwischen dem Zitat und dir herzustellen. Solche persönlichen Posts kommen häufig gut an und werden von deiner Community geschätzt.

 

9. Teile Thesen, Reflexionen, Gedanken und Assoziationen

Um die Seminarvorbereitung für deine Sichtbarkeit zu nutzen, kannst du auch öffentlich sinnieren. Veröffentliche einen Gedanken oder eine These, die dir zu einem bestimmten Thema im Kopf herumgeht.

Je kontroverser oder tagesaktueller desto größter die Wahrscheinlichkeit, Reaktionen zu bekommen. Das erfordert vielleicht etwas Übung. Aber es lohnt sich. Hedwig Richter hat in diesem ZEIT-Artikel über ihre Erfahrungen berichtet, ein Seminar via Twitter zu begleiten – und zieht ein positives Fazit.

 

10. Poste Skizzen, Bilder, Entwürfe, Mindmaps oder Fotos

Es müssen nicht immer Worte sein. Überlege oder schau dich mal um, welche Skizzen, Bilder, Entwürfe, Mind Maps oder Bilder im Laufe deiner Seminarvorbereitung entstanden sind. Kannst du davon etwas posten?

Manchmal erzeugt schon ein Foto vom überfüllten Schreibtisch oder ein paar Gedankenfetzen in einer Mind Map große Resonanz. Und du kommst spielend leicht mit anderen ins Gespräch.

 

Bonus-Tipp: Hör nicht auf, wenn das Seminar beginnt

Du hast alles aus deiner Seminarvorbereitung für deine Sichtbarkeit rausgeholt? Perfekt! Mein Tipp: Hör nicht auf, wenn das Seminar beginnt.

Schreibt zu jeder Veranstaltung einen kurzen Teaser oder am Ende eine Zusammenfassung. Teile (natürlich in Absprache) die Ergebnisse von Studierenden. Oder lass deine Follower*innen an Erkenntnissen von dir oder den Studierenden aus dem Seminar teilhaben.

Die Ozeanographin Mirjam S. Glessmer hat in diesem Blogbeitrag Ideen für konkrete Tweets gesammelt. Du kannst sie einfach übernehmen und für dich anpassen.

Hast du weitere Ideen, wie du die Vorbereitung deiner Lehre für deine Sichtbarkeit als Wissenschaftler*in nutzen kannst? Dann teile sie mit uns in den Kommentaren.

5 Fragen, wie du das richtige soziale Netzwerk als Wissenschaftler:in findest

Wo soll ich aktiv werden? Was ist das richtige soziale Netzwerk als Wissenschaftler:in für mich?[

Hast du dich das auch schon mehr als einmal gefragt?

Dann lass uns das gemeinsam herausfinden! Im folgenden Artikel erfährst du, warum du mit nur einem sozialen Netzwerk starten solltest. Und wie du dir ganz sicher sein kannst, dass du das richtige ausgewählt hast.

 

1. Was willst du?

Die erste Frage, die du dir stellen kannst, ist auch gleich die schwierigste. Allerdings kommst du an ihr nicht vorbei. Also lass uns das mal aufdröseln…

Das richtige soziale Netzwerk für dich als Wissenschaftler:in hängt von deinem Ziel ab, das du mit digitaler Wissenschaftskommunikation und Online-Sichtbarkeit erreichen willst.

Damit meine ich in erster Linie dein berufliches Ziel. Aber nicht nur. Wir alle sind ja nicht nur unser Beruf. Wir haben Träume und Pläne, die uns als ganze Person ausmachen.

 

Zwei Übungen, um deinem Ziel näher zu kommen

Es gibt zwei tolle Übungen, die du nutzen kannst, um Klarheit über dein Ziel und deine Lebenspläne zu gewinnen. Ich habe sie selbst schon ausprobiert. Und sie haben mir geholfen, mich meinen Wünschen und Bedürfnissen anzunähern.

Allerdings darfst du deine Erwartungen nicht zu hoch stecken. Wahrscheinlich fallen dir sprichwörtlich nicht alle Schuppen von den Augen und du weißt plötzlich zu 100 Prozent, was du vom Leben möchtest. Aber auch wenn es nur ein paar wenige Schüppchen sind, kann es dir dabei helfen, schon etwas klarer zu sehen.

Die eine Übung heißt „Dein perfekter Tag“. Nimm dir ein weißes Blatt Papier und einen Stift. Dann fang aufzuschreiben, wie dein perfekter Tag aussieht. Keine Urlaubsversion, sondern ein Tag in deinem Leben in seiner besten Version.

Beschreib den Tag von Anfang bis Ende im Detail. Schreib auch Dinge auf, die dir zunächst „unrealistisch“ erscheinen. Du kannst folgende Fragen zu Hilfe nehmen:

 

  • Wo wachst du auf? Was siehst du?
  • Wie fühlst du dich?
  • Wie beginnst du deinen Tag? Mit einer Tasse Tee? Sport?
  • Welchen Aktivitäten gehst du nach? Wie viel Zeit verbringst du mit ihnen?
  • Was ist der Höhepunkt deines Tages?
  • Welche Menschen triffst du an deinem perfekten Tag?
  • Was isst du?
  • Wie lässt du den Tag ausklingen?

 

Eine ausführliche Anleitung für diese Übung findest du auf dem Blog Eat – Train – Love. Bei der Übung geht es nicht so sehr darum, den Tag genauso umzusetzen. Viel eher geht es darum, deine Wünsche offenzulegen und kleine Schritte in diese Richtung zu entwickeln.

Ein ähnliches Ziel hat die „Schaukelstuhl-Methode“. Dabei schaust du dir dein Leben im Rückblick an (stell dir vor, du sitzt in hohem Alter auf deiner Veranda im Schaukelstuhl).

Stell dir die Frage, was du in deinem Leben erreicht haben möchtest. Welche Ziele möchtest du umgesetzt haben? Welche Spuren willst du hinterlassen haben?

„Was ist dein größeres Ziel?“

Denk an einzelne Lebensbereiche (deine persönliche Entwicklung, Familie, Beruf, Gesellschaft). Vielleicht hilft dir eine Mindmap dabei. Du veränderst den Blickwinkel, weil du sämtliche Restriktionen (Zeit, Geld, Wissen) außen vor lassen kannst. Das befreit dein Denken und offenbart deine größeren Ziele.

Vielleicht denkst du auch, die Übungen sind etwas hoch gegriffen. Schließlich geht es nur um das richtige soziale Netzwerk für dich als Wissenschaftler:in. Aber da die Präsenz in den sozialen Medien Arbeit bedeutet, hältst du das nur durch, wenn du weißt warum und wofür.

Vielleicht möchtest du auf ein Leben zurückblicken, in dem du Kinder für Molekularbiologie begeistert hast. Oder in dem du Professor:in in Harvard warst. Oder in dem du als Wissenschaftsjournalist:in Brücken zwischen Öffentlichkeit und Forschung gebaut hast.

Für all diese Ziele können unterschiedliche Social-Media-Kanäle sinnvoll sein.

 

2. Wen willst du erreichen?

Der vorletzte Absatz leitet uns perfekt zur nächsten Frage. Wer ist deine Zielgruppe? Mit wem möchtest du über die sozialen Medien in Kontakt kommen?[

Mit allen? Der Öffentlichkeit? Ich verstehe das Bedürfnis, niemanden auszuschließen. Aber „alle“ und „die Öffentlichkeit“ sind keine Zielgruppe. Es gibt keine Kommunikation, die alle erreicht.

Achtzehnjährige Abiturient:innen musst du anders ansprechen als deine promovierten Fachkolleg:innen. Die sind übrigens auch (in der Masse) nicht auf dem gleichen Kanal unterwegs. Funktioniert also gleich doppelt nicht.

Trotzdem heißt es nicht, dass wenn du auf TikTok Content erstellst, der Schüler:innen für eine Karriere als Wissenschafter:in begeistern soll, Journalist:innen und Kolleg:innen nicht auch ein Auge auf deinen Kanal werfen. Und du von ihnen wahrgenommen wirst.

Ich empfehle dir jedoch, dich auf eine Hauptzielgruppe zu fokussieren. Dann fällt es dir leichter, Tonalität, Visualität und Themen zielgruppengerecht aufzubereiten. Also wie locker flockig sind deine Sprache, deine Bilder und deine Inhalte? Oder wie seriös und fachspezifisch präsentierst du dich und deine Forschung?

Je nach Zielgruppe bietet sich ein anderer Social-Media-Kanal an.

„Was treibt dich tief im Innern an?“

Vielleicht fällt es dir leichter, deine Hauptzielgruppe zu identifizieren, wenn du an deine Mission denkst. Wir alle wollen Erfolg und Anerkennung für unsere Arbeit. Keine Frage. Aber gibt es etwas, das dich tief im Innern antreibt?

Ich möchte zum Beispiel von meiner Selbstständigkeit gut leben können. Ich möchte als Stimme in der digitalen Wissenschaftskommunikation gehört werden. Aber vor allem liegt mein innerer Antrieb darin, Wissenschaftler:innen zu zeigen, wie sie durch Online-Sichtbarkeit ihren Platz in der Wissenschaft festigen können.

Meine Hauptzielgruppe sind also Wissenschaftler:innen. Daneben möchte ich aber auch Universitäten, Graduiertenzentren, andere Selbstständige, andere Wissenschaftskommunikator:innen und Journalist:innen erreichen.

 

 

3. Was liegt dir?

Okay, kommen wir zur dritten Frage. Was liegt dir? Also mit welchem Netzwerk fühlst du dich wohl? Wo findest du dich mit deiner Art zu kommunizieren am ehesten wieder?

Ich habe schon von einigen Wissenschaftler:innen gehört, dass sie von vornherein eine Abneigung gegen bestimmte soziale Netzwerke haben. Wenn das bei dir so ist, hinterfrage mal, warum das so ist.

Vielleicht entspricht dir der vertrauliche Ton und die Feel-Good-Community auf Instagram nicht. Oder Twitter schränkt dich mit seiner 280-Zeichen-Vorgabe und der Tendenz Statements besonders „catchy“ formulieren zu müssen, in deinen Ausdrucksmöglichkeiten ein.

Dann ist das so. Es mag vieles für ein bestimmtes soziales Netzwerk sprechen. Wenn sich aber innerlich bereits bei dem Gedanken daran, dort regelmäßig aktiv zu sein, deine Haare sträuben, mach es nicht.

Zu dieser Frage gehört auch, dir darüber Gedanken zu machen, WIE du am liebsten kommunizierst. Also hauptsächlich mit Worten, Bildern oder Videos.

Ein TikTok- oder YouTube-Kanal ist wenig sinnvoll, wenn du ungern vor der Kamera stehst. Für Instagram brauchst du Fotos. Twitter funktioniert noch am ehesten ohne Bilder und Videos.

 

4. Wie viel Zeit hast du?

Jetzt machen wir den Realitäts-Check. Wie viel Zeit kannst und möchtest (!) du dir nehmen, um deinen Kanal regelmäßig zu bespielen?

Das hängt von deinen individuellen Lebensumständen ab (Familie, Kinder, Beruf, Promotion, Ehrenamt etc.). Es ist aber auch eine Frage der Priorität. Wenn etwas für dich absolute Priorität hat, nimmst du dir Zeit dafür oder? Kannst du dich an eine Sache erinnern, auf die das schon einmal zutraf?

Hinzu kommt (machen wir uns nix vor!), Fotos zu erstellen, dauert (im Normalfall) länger, als Text zu schreiben. Videos sind zeitaufwändiger als Bilder. Wofür hast du die Zeit? Oder fotografierst du sowieso jeden Tag und hast das Material schon in der Schublade?

Und wie viel Zeit kannst du dir pro Tag für deinen Social-Media-Kanal nehmen? Für Twitter reichen 10 bis 15 Minuten, wenn du bereits etwas eingespielt bist.

Instagram- und YouTube-Beiträge entstehen nicht spontan. Sie benötigen eine vorherige Planungs- und Umsetzungsphase. Vergiss aber nicht, dass du auch hier nach Veröffentlichung deines Beitrags auf Kommentare und Fragen aus der Community reagieren solltest. Auch das kostet Zeit.

Die Lösung heißt deswegen nicht automatisch Twitter (oder „na dann lieber gar kein Netzwerk“). Mein Rat an dieser Stelle, schau genau hin, wann du dir wie viel Zeit auf Dauer nehmen kannst und möchtest.

 

5. Worauf kannst du aufbauen?

Die letzte Frage ist im Prinzip die Aufforderung zu einer Inventur. Meiner Erfahrung nach fängt kaum jemand wirklich bei null an. Setz dich mal hin und schreib auf, auf welcher Plattform du bereits ein Profil hast.

Schreib auch die Anzahl der Kontakte bzw. Follower:innen daneben. Und ein paar Stichworte, wie du das Netzwerk bisher genutzt hast. Vielleicht hast du bei LinkedIn bereits 250 berufliche Kontakte. Statt einfach nur passiv zu sein, könntest du ab jetzt Beiträge und Artikel veröffentlichen. Wie sieht’s aus?

Hat ein Kanal das Potenzial das richtige soziale Netzwerk für dich als Wissenschaftler:in zu sein, auf dem du jetzt mehr Gas geben kannst?

 

Starte mit nur einem Social-Media-Kanal

verschiedenen Perspektiven nachgedacht. Im Idealfall hat sich ein Kanal herauskristallisiert, der zu deinem Ziel passt, wo deine Zielgruppe sich aufhält, mit dem du dich wohlfühlst, für den du ausreichend Zeit hast und auf dem du schon ein Profil hast, das du ausbauen kannst.

Aber was läuft schon ideal?

elleicht sind auch noch zwei bis drei Kanäle „übrig“. Auf dem einen ist deine Zielgruppe unterwegs, mit dem anderen fühlst du dich aber insgesamt wohler.

Mein Tipp: lass das Ganze erst einmal ruhen. Wenn sich die mögliche Auswahl bereits verkleinert hat, ist das ein erster Erfolg! Schau dir dann am nächsten Tag die Netzwerke, die noch in Frage kommen, genauer an.

Ist deine Zielgruppe wirklich nur dort oder noch auf einem anderen Kanal anzutreffen? Wie könntest du den Kanal, auf dem zwar deine Zielgruppe ist – den du aber vielleicht nicht so sympathisch findest – für dich so nutzen, dass er besser zu dir passt?

„Multitasking ist nicht zu empfehlen. Volle Konzentration auf ein Netzwerk!“

Welche Antworten auf die fünf Fragen wiegen für dich schwerer? Kannst du etwas mehr Zeit aufbringen für einen anderen Kanal, den du schon ausgeschlossen hattest? Das sind individuelle Entscheidungen, die nur du treffen kannst.

Natürlich macht es keinen Sinn, dort aktiv zu werden, wo du nicht auf deine Community triffst. Alle anderen Punkte kannst du ganz gut gegeneinander abwägen.

Wofür du dich auch entscheidest, starte aktiv mit einem Social-Media-Kanal. Das ist bereits genug Arbeit. Später kannst du dich auch auf einem zweiten Kanal austoben.

 

12 Denkfehler, die dich an deiner Online-Sichtbarkeit hindern

Welchen Denkfehler machst du?

1. Ich habe mit meiner Promotion schon genug zu tun. Warum sollte ich Zeit in meine Online-Sichtbarkeit als Wissenschaftler*in investieren?

2. Ich will nichts von mir als Person im Internet zeigen und mich schon gar nicht blamieren. Wieso muss ich Informationen über mich preisgeben?

3. Ich mache mir Sorgen, dass andere meine Forschung für ihre Zwecke missbrauchen. Warum soll ich meine Ideen teilen, wenn sie mir theoretisch jemand wegnehmen kann?

4. Ich will mir meine Karriere nicht verbauen. Macht es nicht einen komisch Eindruck auf potenzielle Arbeitgeber*innen, wenn ich außerhalb der Wissenschaft einen Job suche?

5. Das macht in meinem Forschungsbereich/meiner Forschungsgruppe niemand außer mir. Warum dann gerade ich?

„Kein Denkfehler ist grundsätzlich falsch. Er wirkt sich jedoch auf dein Handeln aus.“

6. Ich will den Menschen nicht auf die Nerven gehen. Sieht das nicht wie Angeben aus, wenn ich über mich und meine tolle Forschung rede?

7. Es reicht doch, wenn auf der Uni-Homepage steht, wer ich bin und woran ich forsche. Wieso sollte ich in den sozialen Medien oder auf einer eigenen Website zu finden sein?

8. Das ist doch völlig selbstverliebt, sich mit Fotos und Videos im Internet zu präsentieren. Bei wem sollte das einen positiven Eindruck hinterlassen?

9. Meine Doktormutter/mein Doktorvater hat mir davon abgeraten und gesagt, ich solle meine Zeit lieber in die Dissertation stecken. Warum sollte sie*er unrecht haben?

10. Ich vernachlässige in den Augen meiner Kolleg*innen meine eigentlichen Aufgaben als Wissenschaftler*in. Warum aktiv werden, wenn von vornherein nur mit wenig Wertschätzung zu rechnen ist?

11. Das verliert alles an Wissenschaftlichkeit, wenn ich meine Forschung Laien erkläre oder in 280 Zeichen quetschen muss. Warum sollte ich meinen Expert*innenstatus

12. Ich möchte schnell und ohne viel Aufwand mit meiner Forschung online sichtbar werden. Woher soll ich die zusätzliche Zeit sonst nehmen?

 

Online-Sichtbarkeit: Eine Frage der Perspektive

All diese Sätze habe ich schon mehr als einmal in meinen Workshops, Coachings oder Gesprächen mit Wissenschaftler*innen gehört. Und weißt du was?

Ich verstehe diese Argumente so gut. Und nehme jedes einzelne davon ernst.

Es geht mir nicht darum, den Finger in die Wunde zu legen. Nur darum, dir vielleicht eine andere Perspektive aufzuzeigen. Denn wie du bestimmt weißt, lassen sich alle Dinge von (mindestens) zwei Seiten betrachten.

Die Perspektive aus der alle Argumente formuliert sind, beinhaltet Angst, Entmutigung und Überforderung angesichts der unendlichen Möglichkeiten, soziale Medien für die eigene Forschung zu nutzen.

„Schreib dir auf ein Blatt Papier, bei welchen der 12 Denkfehler du innerlich ja genau sagst.“

Angst ist ein normales und wichtiges Gefühl. Es bewahrt uns sehr oft im Leben vor möglichen Gefahren. Manchmal jedoch blockiert sie uns auch. Vor allem tritt sie immer dann auf den Plan, wenn wir vor etwas Unbekanntem stehen.

Entmutigung und Überforderung folgen der Angst. Vielleicht bist du selbst schon entmutigt. Vielleicht lässt du dich durch das Urteil anderer schnell entmutigen.

Mein Tipp: Schreib dir auf ein Blatt Papier, bei welchen der 12 Denkfehler du innerlich „ja genau“ sagst. Mach dir damit bewusst, was dich an deiner Online-Sichtbarkeit als Wissenschaftler*in noch zurückhält.

 

Bewusstheit ist die halbe Miete der Online-Sichtbarkeit

Wie wichtig es ist, sich die eigenen Ängste und Blockaden bewusst zu machen, habe ich in den letzten Jahren selbst immer wieder erfahren.

Der Mut zur Sichtbarkeit hat enorm viel mit dem eigenen Weg der Persönlichkeitsentwicklung zu tun. Manche sind auf diesem Weg bereits weit fortgeschritten. Andere fangen gerade erst an.

Das allerwichtigste ist, sich auf den Weg zu machen. Wenn du dich auf den Weg machst und erkennst, welche Glaubenssätze in dir wirken, kann dich das einen entscheidenen Schritt nach vorne bringen in punkto Online-Sichtbarkeit.

„Bewusstheit erlangen wir, wenn wir verstehen, welche Gedanken und Gefühle in uns wirken und welche Reaktionen dadurch hervorgerufen werden.“

Autor und Persönlichkeitstrainer Christian Bischoff sagt in seinem Buch „Bewusstheit“: „Bewusstheit erlangen wir, wenn wir verstehen, welche Gedanken und Gefühle in uns wirken und welche Reaktionen dadurch hervorgerufen werden. Bewusstheit erlangen wir, wenn wir uns selbst erkennen.“

Das lasse ich gern so stehen, weil es genau den Kern der Sache trifft. Versuche also im ersten Schritt einmal herauszufinden, ob deine Gedanken deine Online-Sichtbarkeit als Wissenschaftler*in beeinflussen.

 

 

Digitale Wissenschaftskommunikation Reminder

Jetzt mal ehrlich!

Lass uns im zweiten Schritt die „neutralen Wahrheiten“ hinter den Denkfehlern ansehen.  Also, was ist dran an möglichen Stolpersteinen und Hindernissen? Und wofür gibt es welche Lösungsansätze?

 

Wirklich keine Zeit?

Online-Sichtbarkeit kostet Zeit. Zeit, die du vermutlich auf den ersten Blick nicht hast. Hast du dich mal gefragt, woher andere die Zeit nehmen? Wir haben immerhin alle nur 24 Stunden am Tag zur Verfügung.

Sicher hat es mit den persönlichen Umständen zu tun (Familie, Haushalt, etc.). Oder mit individuellen Fähigkeiten, Dinge schneller oder langsamer zu erledigen.

Vor allem aber wird der Faktor Zeit häufig ins Feld geführt, wenn etwas für uns keine Priorität hat.

Hat Online-Sichtbarkeit für dich Priorität?

Schau darüber hinaus auch mal in meinen Artikel „Keine Zeit für Social Media? 5 Tipps für Wissenschaftler*innen“ rein. Hier gibt es Ideen, wie du Zeit sparen kannst.

 

Warum ich und nicht allein meine Forschung?

Die Menschen, die sich für deine Forschung interessieren, möchten auch wissen, wer da kommuniziert. Das hat mit deinen Fähigkeiten, aber auch mit deiner Persönlichkeit zu tun. Wenn du deiner Community Antworten auf die Fragen lieferst,

 

  • Wie bist du Wissenschaftler*in geworden?
  • Was fasziniert dich an deinem Thema?
  • Wie sieht dein Alltag als Wissenschaftler*in aus?

 

dann können Sie Vertrauen zu dir aufbauen. Vertrauen spielt gerade heute in der Wissenschaftskommunikation eine entscheidende Rolle.

Deshalb kann Forschung nie ganz vom Forschenden getrennt werden. Dabei musst du nie private Details über dich preisgeben. Sei persönlich, nicht privat.

Setz dich mal hin und notiere drei bis vier Dinge, die die Welt da draußen über dich als Forscher*innenPERSÖNLICHKEIT wissen darf.

Deine Liebe zu Zimmerpflanzen? Die Obsession für Teleskope? Deine feministische Haltung? Die Leidenschaft fürs Kochen? Den Rest behältst du für dich. Ganz einfach.

 

Wo sind die Vorbilder?

Da noch niemand in deiner Forschungsgruppe Wissenschaft digital kommuniziert und der*die Betreuer*in deiner Promotion dir eventuell auch davon abrät, fehlt es dir natürlich an Vorbildern.

Ich empfehle dir: Suche dir welche! Nichts ist motivierender als zu sehen, was andere erreichen. Und sich davon inspirieren zu lassen.

Versuche auch, von Anfang an selbst ein Vorbild zu sein. Es gibt immer jemanden, der*die noch nicht soweit ist wie du. Und unendlich dankbar ist, wenn du ihn*sie an deinem Weg teilhaben lässt.

Die Art, wie wir kommunizieren, wandelt sich stetig. Doktorväter und Doktormütter gehören häufig einer anderen – ich nenne es mal – Kommunikationsgeneration an.

Forschung wird heute viel öffentlicher miteinander diskutiert als noch vor 10 oder 20 Jahren. Der Stellenwert und die Anerkennung von guter Wissenschaftskommunikation wächst stetig.

 

Wer hat die Kontrolle?

So ein Kurzprofil auf der Uni-Website reicht doch oder? Kurze Antwort: jein bis nein. Ich gehe davon aus, du wechselst in deinem Leben noch mindestens einmal die Hochschule. Dann ist die Uni-Website und die Arbeit, die du reingesteckt hast, weg.

Bei einer eigenen Website hast du die volle Kontrolle. Darüber wie lange sie online ist. Und über die Inhalte sowieso

Sieh die Arbeit an einer eigenen Website und an deinen Online-Profile als Investition in deine berufliche Zukunft.

 

Online-Sichtbarkeit ist gut. Was ermöglicht sie dir?

]Online-Sichtbarkeit klingt in deinen Ohren irgendwie egoistisch? Für mich heißt Online-Sichtbarkeit nichts anderes als sehr gute digitale Wissenschaftskommunikation.

Deine Forschung steht im Vordergrund. Und eben auch ein bisschen du. Weil Forschung nicht vom Forschenden zu trennen ist (das hatten wir weiter oben schon).

Wenn du mit deiner Forschung sichtbar bist, hast du die Möglichkeit, dich mit anderen auszutauschen. Das kann deiner Forschung zu gute kommen – zum Beispiel dein Forschungsdesign verbessern oder Kooperationen anstoßen.

Du wirst von Kolleg*innen um Rat gebeten, auf Symposien eingeladen, für Interviews angefragt. Somit hast du natürlich Networking- und Karrierevorteile.

Nicht zuletzt kommst du deiner „Verpflichtung“ nach, deine aus Steuergeldern finanzierte Forschung der Öffentlichkeit zu präsentieren und damit transparent zu machen, wie Forschung funktioniert. Du gibst der Gesellschaft also ein Stück weit etwas zurück, was sie zuvor dir ermöglicht hat.

Klingt für mich wie eine Win-Win-Win-Situation. Für dich auch?

Meine Empfehlung: Notiere dir auch an dieser Stelle, was dir Online-Sichtbarkeit ganz persönlich ermöglichen kann.

 

Darum solltest du als Wissenschaftler*in im Netz aktiv werden

Warum solltest du als Wissenschaftler*in im Netz aktiv werden und Wissenschaft online sichtbar machen? Nun, dafür gibt es viele gute Gründe. Der Wunsch nach Austausch mit Kolleg*innen zum Beispiel. Oder der Spaß, einer breiten Öffentlichkeit die eigene Forschung näher zu bringen. Oder die Hoffnung, deine Wissenschaftskarriere damit voranzubringen.

Im folgenden Artikel möchte ich mich vor allem auf den letzten Punkt intensiver eingehen. Denn was du mit so vielen anderen Wissenschaftler*innen gemeinsam hast, ist die Frage, wie es für dich nach der Promotion weitergehen kann.

Wenn du deine Berufung als Wissenschaftler*in gefunden hast, möchtest du wahrscheinlich in der Wissenschaft bleiben. Aber nicht nur du, sondern verschiedene äußere Umstände bestimmen, ob es einen Platz für dich in der Wissenschaft gibt.

 

Wissenschaftliches Netzwerk vergrößern und Forschung bekannter machen

Befristete Verträge und rar gesäte Professor*innenstellen sind der Grund dafür, dass zwischen 60 und 80 Prozent der promovierten Nachwuchwissenschaftler*innen die Wissenschaft verlassen. Und einer Beschäftigung in einem anderen Sektor nachgehen.

2012 wurden 26.800 Promotionen abgeschlossen, aber nur 1.650 Habilitationen

Wenn du die Möglichkeit nutzt, als Wissenschaftler*in im Netz präsent zu sein, vergrößerst du dein wissenschaftliches Netzwerk. Dir stehen mit Blogs, Podcasts, Videos, Twitter, Instagram oder TikTok zusätzliche Kanäle zur Verfügung, deine Forschung bekannter zu machen.

Und du baust nicht zuletzt die unverzichtbare Fähigkeit aus, Wissenschaft gegenüber verschiedenen Zielgruppen verständlich zu kommunizieren.

 

Was möchtest du als Wissenschaftler*in im Netz erreichen?

Dafür musst du wissen, was du mit deiner Präsenz als Wissenschaftler*in im Netz konkret erreichen möchtest. Das ist keine einfach zu beantwortende Frage. Die Antwort braucht Zeit.

Deshalb musst du sie bei deinen ersten Schritten im Internet und in den sozialen Medien noch nicht bis ins Detail kennen. Du solltest allerdings eine grobe Vorstellung davon haben, was dich motiviert als Wissenschaftler*in sichtbar zu werden.

Kommuniziere selbstbestimmt und ungefiltert über deine Forschung

Wenn du deine Erkenntnisse selbstständig verbreitest, fallen gleich zwei Kommunikationsschranken weg. Die der Pressestellen und die der Wissenschaftsredaktionen. Sie kommunizieren Ergebnisse oft „nur“ in Form von Pressemitteilungen oder Artikeln, die ins redaktionelle Konzept passen.

Das ist deine Chance als Wissenschaftler*in, selbstbestimmt und ungefiltert über deine Forschung zu sprechen. Selbstverständlich ohne Forschungsgeheimnisse zu verraten.

Schau doch mal besten mal, ob es online so genannte Social Media Guidelines an deiner Hochschule oder an deinem Forschungszentrum gibt. Oder suche das Gespräch mit der Pressestelle oder der Öffentlichkeitsarbeit. Die helfen oft sehr gerne in solchen Fragen weiter.

Manchen liegt der große Auftritt auf der Bühne in Form eines Science Slam. Digital hast du andere, leisere aber nicht weniger kraftvolle Möglichkeiten, auf dich aufmerksam zu machen. Zum Beispiel mit einem Blog.

Zeit ist dabei immer ein limitierender Faktor. Niemand wird dir mehr Zeit schenken. Digitale Wissenschaftskommunikation ist deshalb eine Frage der Priorität und der Leidenschaft.

 

Wissenschaftsblogs sind unglaublich vielfältig

Wissenschaftsblogs können sehr unterschiedlich sein. Es gibt Wissenschaftsblogs, die sind wie eine Fachzeitschrift aufgebaut und bestehen aus einer kleinen Redaktion und einem größeren Pool von Autor*innen.

Persönliche Blogs hingegen drehen sich um eine einzelne Wissenschaftlerin oder einen einzelnen Wissenschaftler. Sie suchen sich ein Thema und schreiben über Wissenschaft aus ihrer Perspektive, so wie Susanne Thiele auf ihrem Blog „Mikrobenzirkus“ oder Mareike Schumacher auf ihrem Blog „Lebe lieber literarisch“.

Eine dritte Möglichkeit, über die eigene Forschung zu berichten, sind wissenschaftliche Blogplattformen wie scienceblogs.de oder scilogs.spektrum.de, die eher einen naturwissenschaftlichem Schwerpunkt haben. Oder de.hypotheses.org, wo schwerpunktmäßig über geisteswissenschaftliche Themen gebloggt wird.

Dein Blog ist deine digitale Visitenkarte im Netz

Bloggen zwingt dich, deine Gedanken zu strukturieren und Forschungsergebnisse so zu formulieren, dass auch interessierte Laien sie verstehen können. Das Beste daran ist: mit einem Blog baust du Schritt für Schritt deine digitale Identität auf.

Das kann dir schon bei der nächsten Stellenbewerbung oder dem nächsten Forschungsantrag zugute kommen, wenn man deinen Namen googelt. Denn Blogs werden von Google besonders gut gerankt.

Trag dich hier ein und erhalte das kostenlose Workbook „In 5 Schritten zu deiner Blog-Strategie als Wissenschaftler*in“ und alle zwei Wochen meinen Newsletter!

 

Twitter als Teil deiner Vernetzungsstrategie in der Wissenschaft

Twitter ist eine besondere Herausforderung, weil es hier um pointiertes Formulieren in 280 Zeichen geht. Orientiere dich an Wissenschaftler*innen, die Twitter zu ihrem Medium gemacht haben, so wie Robert Hoffie, Lars Dittrich oder Laura M. König.

]Nutze Twitter als Ort für wissenschaftlichen Austausch oder als Instrument, um Inhalte zu verbreiten, die du woanders publiziert hast: Bücher, Blogartikel oder wissenschaftliche Grafiken.

Wenn du dich fragst, ob digitale Wissenschaftskommunikation dir auch auf deinem Weg zur Professur hilft, ist die Antwort nicht einfach. Durch unsere Social-Media-Aktivitäten wollen wir Aufmerksamkeit bekommen. Hohe Klickzahlen sind ein Zeichen dafür, dass ein Beitrag oder Forschungsthema gut ankommt. Über die wissenschaftliche Qualität sagt das aber nichts aus.

Und obwohl niemand aufgrund seiner Twitteraktivitäten eingestellt oder berufen wird, kann Social Media als Teil der eigenen Vernetzungsstrategie Vorteile bringen. Wenn du noch keine feste Stelle hast, mach soviel PR wie möglich für dich! Du weißt nie, über welche Wege sich die nächste berufliche Chance ergibt.

Bleib authentisch und mach dich als Forscherpersönlichkeit sichtbar

Das Allerwichtigste dabei ist: bleib authentisch! Wissenschaft online sichtbar zu machen, bedeutet auch immer, sich als Forscherpersönlichkeit sichtbar zu machen. Aber verbieg dich nicht! Wenn du kein komödiantisches Talent besitzt, versuche nicht, besonders lustig zu sein. Wenn du Selfies hasst, stell‘ keine ins Netz.

Wenn du es allerdings schaffst, dich und deine Forschung so im Internet zu präsentieren, dass du die Aufmerksamkeit deiner Forschungscommunity oder das Interesse von Journalist*innen weckst,  wirst du vielleicht zum TV-Interview oder zur Podiumsdiskussion eingeladen.

 

Musst du jetzt vloggen oder bloggen?

MUSST du jetzt als Wissenschaftler*in einen YouTube-Kanal haben oder bloggen? Die Antwort ist ganz klar nein. Wenn dir die Kommunikation mit der Öffentlichkeit nicht liegt, zwingt dich niemand dazu. Wenn du aber motiviert bist, stürz dich einfach ins Kommunikationsabenteuer!

Dieser Artikel wurde erstmals am 07. März 2018 veröffentlicht und am 03. November 2020 vollständig aktualisiert.

Sichtbarkeit in der Wissenschaft: Interessiert sich jemand für dich?

Wünschst du dir Sichtbarkeit in der Wissenschaft? In meinen Workshops und in E-Mails begegnet mir oft folgender Satz: „Ich würde gerne meine Präsenz im Netz erhöhen, weiß aber nicht wo und wie ich anfangen soll.“ Dieses Problem verstehe ich. Und es ist lösbar. Davor existiert jedoch noch eine andere Hürde. Manchen ist sie bewusst, anderen nicht. Und zwar die Sorge, anderen mit digitaler Präsenz auf die Nerven zu gehen. Und/oder als überheblich abgestempelt zu werden. Damit einher geht kurioserweise oft der Gedanke „Wer sollte sich überhaupt für mich interessieren?“ Das passt auf den ersten Blick nicht zusammen, existiert aber häufig parallel. Auch in deinem Kopf? Digitale Sichtbarkeit in der Wissenschaft hat erst mal mit dem richtigen Mindset zu tun. Du leistest wertvolle Kommunikationsarbeit, wenn du deine Forschung online sichtbar machst. Warum du daran glauben solltest, zeige ich dir in diesem Artikel. Zu viel Bescheidenheit statt Überheblichkeit Fest steht, wir sind alle zur Bescheidenheit erzogen worden. Sie ist eine hochgeschätzte Charaktereigenschaft. Menschen, die sich ständig und ungefragt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit drängen, kommen nicht gut an. Bescheidene Personen gelten hingegen als sympathisch und angenehm. Studien zeigen, dass insbesondere Berufsanfänger*innen von Bescheidenheit profitieren. Sie knüpfen durch echte Bescheidenheit zum Beispiel bessere Beziehungen zu Mentor*innen. So positiv Bescheidenheit aber auch aufgenommen wird, wenn niemand etwas von deinen Leistungen mitbekommt, verpuffen diese. Ohne Auswirkung auf dein berufliches Vorankommen. REMINDER: DU BIST EXPERT*IN IN DEINEM FORSCHUNGSGEBIET. Zu viel Bescheidenheit ist noch aus einem anderen Grund problematisch. Die Forscher*innen Aaron Weidman, Jessica Tracy und Joey Cheng stellten fest, dass Bescheidenheit nicht nur als positiv, sondern auch als negativ erlebt wird. Eine Art Selbstabwertung, die nach persönlichen Niederlagen und Misserfolgen empfunden wird. Man macht sich Vorwürfe und fühlt Scham. Diese selbstabwertende Bescheidenheit bewirkt sozialen Rückzug. Nichtsdestotrotz ist Bescheidenheit im Grundsatz eine bewahrenswerte Eigenschaft. Zu viel davon kann aber auch schaden. Oder dich daran hindern, dein Potenzial voll zu entfalten. Wenn es um Sichtbarkeit in der Wissenschaft geht, begegnet mir häufig eher zu viel Bescheidenheit. Besonders bei Frauen. Du bist richtig gut in dem, was du machst! Du hast lange studiert und geforscht. Und bist damit Expert*in auf deinem Gebiet. Lass andere daran teilhaben. Das ist keine Überheblichkeit, sondern – um es noch einmal zu erwähnen – wertvolle Kommunikationsarbeit. Deine Forschung steht im Mittelpunkt (nicht du) Sichtbarkeit in der Wissenschaft bekommst du über Wissenschaftskommunikation. Wissenschaftskommunikation heißt, du stellst deine Forschung in den Mittelpunkt. Also bestimmte Inhalte und nicht dich als Person. Das stimmt natürlich nicht zu 100 Prozent. Nicht nur deine Forschung, sondern auch du selbst wirst als Wissenschaftler*in sichtbar. Aber das ist ein Nebeneffekt. Nicht der Hauptgrund für deine Entscheidung, digital sichtbar zu werden. Der Blickwinkel ist hier entscheidend! Es geht nicht um Selbstbeweihräucherung, sondern um die Kommunikation deiner Forschung. Das wird weder negativ noch als überheblich wahrgenommen. Du bietest Informationen – ein wichtiger Service! Kommen wir zu der Frage, ob sich überhaupt jemand für dich interessiert. Die kurze Antwort lautet – ja! Warum? Weil du es anderen Menschen leicht machst, an Informationen zu gelangen. Nicht jede*r kann und möchte sich durch ein wissenschaftsliches Paper lesen. Wenn du soziale Medien nutzt, einen Blog schreibst oder Wissenschaftskommunikationsvideos produzierst, bereitest du Inhalte anders auf. Ein Service, den viele Menschen zu schätzen wissen. Wissenschaftsbegeisterte Laien, Journalist*innen, Politiker*innen und selbstverständlich Wissenschaftskolleg*innen. Es gibt viele Kanäle – Twitter, Facebook, Instagram, TikTok, LinkedIn, XING, ResearchGate… jede*r ist auf einem anderen unterwegs. Oder zumindest unterschiedlich intensiv. Wenn du die Inhalte deiner Forschung dort für deine Zielgruppe zur Verfügung stellst, genügt ein Klick deiner Follower*innen, um bei dir auf dem Laufenden zu bleiben. Du musst nicht überall unterwegs sein. Das schafft niemand. Aber mach dir bewusst: das sind Kommunikationskanäle, die du nutzen kannst. REMINDER: DU BIST EIN SPANNENDER NETZWERK-KONTAKT! Veröffentlichst du regelmäßig interessante Inhalte, dauert es nicht lange, bis andere Wissenschaftler*innen dich in ihr Netzwerk aufnehmen. Oder Teil deines Netzwerks werden möchten. Du erhältst Kontaktanfragen oder Follows, weil sie Neuigkeiten von dir nicht mehr verpassen wollen. Also wiederhole ich mich auch hier noch einmal gerne. Ja, es interessiert sich jemand für dich. Sichtbarkeit in der Wissenschaft – gerade jetzt notwendig! Wir sind noch immer in der Corona-Krise. Wann wenn nicht jetzt wird deutlich, wie wichtig digitale Sichtbarkeit in der Wissenschaft ist? Es gibt noch immer keine Konferenzen. Die Präsenz an den Hochschulen – am Schreibtisch und im Labor – ist stark eingeschränkt bis nicht vorhanden. Niemand weiß genau, wie lange das noch so sein wird. Du kannst jetzt den Grundstein für deine digitale Sichtbarkeit legen. Oder deine vorhandenen Kanäle weiter ausbauen. Ganz einfach von zu Hause. Leg die Selbstzweifel beiseite und glaub an dich!

Persönlichkeit zeigen als Wissenschaftler*in im Internet

Geht es beim Thema Wissenschaftskommunikation ausschließlich nur um die Kommunikation von Forschungsergebnissen? Ich finde nicht. Es geht auch darum, neben den Fakten die Begeisterung für das eigene Fach rüberzubringen.

Und das funktioniert nur über Persönlichkeit. Doch Persönlichkeit zeigen als Wissenschaftler*in im Internet kann eine Gratwanderung sein. Wie viel ist zu wenig? Und wie viel ist zu viel?

Nahbar und persönlich kommunizieren, um sympathisch zu erscheinen? Das wollen die meisten. Aber bitte ohne das Privatleben nach außen tragen zu müssen. Oder die eigene Seriosität als Wissenschaftler*in zu gefährden.

Ich möchte mit dir ein paar Gedanken teilen und Tipps geben, wie du Persönlichkeit als Wissenschaftler*in im Internet zeigen kannst. So dass es zu dir passt und du dich damit wohl fühlst.

 

Du hast die Kontrolle über deinen Auftritt im Internet

Die gute Nachricht ist, dass du über die digitale Selbstdarstellung im Internet viel mehr Kontrolle hast als über viele Situationen im echten Leben.

Profile in Karrierenetzwerken wie XING oder LinkedIn oder in Wissenschaftsnetzwerken wie ResearchGate und Academia.edu kannst du sorgfältig und überlegt ausfüllen. Welche beruflichen Stationen betonst du? Welches Praktikum lässt du weg?

Es geht nicht darum, Informationen zu verschleiern. Oder Profile so zu schmücken, dass sie nichts mehr mit der Realität zu tun haben. Aber du entscheidest, welche Eigenschaften und Qualifikationen du herausstellst.

 

Welches Bild möchtest du von dir zeichnen?

Dasselbe gilt für soziale Netzwerke wie Instagram oder Twitter. Und auch für deinen eigenen Blog, über den du Wissenschaft kommunizierst. Die Frage, die immer dahinter steht, lautet: Welches Bild möchtest du von dir zeichnen?

Mein Tipp: Ein möglichst authentisches! Aber was heißt das genau? Und wie kannst du authentisch bleiben, ohne zu privat zu werden?

Verbieg dich nicht. Es gibt da draußen humorvolle Mediziner*innen wie Giulia Enders oder Eckart von Hirschhausen oder begnadete Moderationstalente wie die Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim.

Wenn es dich nicht auf Bühnen, zu YouTube oder ins Fernsehen zieht, lass es. Bleib bei dir und frag dich, was dich ausmacht und womit du dich wohl fühlen könntest.

Wenn für dich das Posten von Selfies wenig mit seriöser Wissenschaftskommunikation zu tun hat, gibt es keinen Grund, auf diesen Zug aufzuspringen, nur weil andere dies tun.

 

Schau dich bei anderen Wissenschaftler*innen um

Wenn es dir schwer fällt, zu entscheiden, was du von dir preisgeben möchtest, schau dir Beispiele anderer Wissenschaftler*innen an.

Welche Themen sprechen Sie neben ihrer Forschung an? Was weißt du über sie, weil sie es im Netz mit allen teilen? Welche Aspekte findest du sympathisch? Was wäre dir zu viel? Notiere es, um Ideen für dich selbst zu entwickeln!

 

Die Teil-Charakter-Zeigen-Methode oder bestimmte Facetten in unterschiedlichen Netzwerken

Im Blogartikel „Charakter zeigen im Netz: Wie viele Ecken und Kanten sind erlaubt?“ von Svenja Hofert bin ich über den Begriff der „Teil-Charakter-Zeigen-Methode“ gestolpert.

Sie schreibt „Stellen Sie sich einen Vorhang vor. Er ist bei mir vielleicht zu einem Drittel offen. […] Man muss sich nicht nackig machen, um bei sich selbst zu sein.“ Und ich finde, sie hat recht. Persönlichkeit zeigen als Wissenschaftler*in im Internet heißt, die Menschen hinter einen Teil des Vorhangs schauen zu lassen. Welcher das ist oder wie breit der Spalt ist, entscheidest du selbst.

Du kannst je nach Netzwerk entscheiden, was und wie viel du von dir als Person zeigen möchtest. Auf Instagram ist der Ton beispielsweise vertraulicher und privater als auf Twitter. Vielleicht liegt dir einer der beiden Kanäle eher als andere. Nutzt du beide, kannst du den Ton zwischen beiden variieren. Achte trotzdem darauf, ein konsistentes Bild von dir über verschiedene Kanäle hinweg zu zeichnen.

Dabei könnte dir helfen, dir genau zu überlegen, welche (privaten) Details du aus deiner Internetpräsenz ausklammerst. Für die meisten schließt das Dinge wie Wohnort, Beziehungsstatus, Kinder, Freunde und Haustiere mit ein. Oder bestimmte Hobbys.

 

Persönlichkeit zeigen als Wissenschaftler*in im Internet – eine Checkliste

Hier findest du eine kurze Checkliste, die dir dabei helfen soll, zu entscheiden, welche Aspekte deiner Persönlichkeit du in deine Kommunikation einbringen möchtest.

  • Rede ich nur sachlich über mein Thema oder bringe ich auch den Spaß rüber, den ich an meinem Thema habe?
  • Welche Informationen sollen unbedingt privat bleiben?
  • Gibt es Interessen, Fähigkeiten oder Dinge aus meinem persönlichen Umfeld, die ich in meine Kommunikation einbeziehen möchte?
  • Welche Art der Kommunikation liegt mir? Seriös oder humorvoll?
  • Habe ich ein Wissenschaftskommunikations-Vorbild? Was kann ich mir abschauen und auf meine Art wiedergeben? Wo müsste ich mich verbiegen und lasse es deshalb lieber?
  • Wie viel Persönlichkeit zeigst du bereits als Wissenschaftler*in im Netz? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar!

Wissenschaftskommunikation von Zuhause – Ohne Produktivitätshype in Kontakt bleiben

Letzte Woche fragte ich in meinem Newsletter, wie es meinen Abonnent*innen in dieser Krisenzeit wirklich geht. In den letzten Tagen ist mir klar geworden, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht nur Tipps brauchen, wie sie nun ihre Forschung online teilen können.

Sondern auch eine ehrliche Diskussion darüber, wie belastend es gerade ist, Wissenschaftler*in im Homeoffice zu sein, Kinder zu betreuen, den Haushalt zu schmeißen und die täglichen schlechten Nachrichten zu verdauen.

Und auch das Gefühl auszuhalten, dass die eigene Arbeit gerade kaum Gehör findet, wenn sie nichts mit Virologie zu tun hat.

Ich bekam auf meinen Newsletter hin eine E-Mail mit der Frage, wie Wissenschaftskommunikation von Zuhause funktionieren könnte. Wie man mit der eigenen Wissenschaftscommunity in Kontakt bleiben kann.

Aber das alles ohne den anderen mit der eigenen vermeintlichen Produktivität ein schlechtes Gewissen zu machen. Oder als wenig belastbar dazustehen. Weil man selbst noch gar keinen Arbeitsrhythmus am heimischen Küchentisch gefunden hat und froh ist, das Nötigste zu schaffen.

 

Wissenschaftskommunikation von Zuhause – Ein paar Ideen

Ich möchte in diesem Artikel ein paar Ideen mit dir teilen, wie Wissenschaftskommunikation von Zuhause in den nächsten Wochen aussehen kann. Und hoffe, dass dir der ein oder andere Tipp hilft.

 

Mach keinen kommunikativen Bogen um das C-Wort

Es ist eine Gratwanderung.

Ich habe in diesen Tagen selbst oft genug von den Nachrichten, die immer alle mit Corona zu tun haben. Es triggert meine Ängste. Ich möchte mich auch unabhängig davon über Inhalte informieren, die mich interessieren. Und gleichzeitig ziehen mich wissenschaftliche Analysen zum Virus, Zukunftsszenarien nach Corona und Tipps fürs Homeoffice in den Bann. Oder Online-Tutorials für digitales Arbeiten.

Der Elefant steht im Raum. Wir kommen nicht an ihm vorbei. Er betrifft uns.

Wenn uns etwas so sehr betrifft, interessiert es uns automatisch. Deshalb mein Rat: schau, welche Anknüpfungspunkte dein Wissenschaftsthema zu Corona hat. Oder welche persönlichen Gedanken dir als Wissenschaftler*in dazu durch den Kopf gehen. Und teile sie mit deiner Wissenschaftscommunnity.

Irgendeinen Anknüpfungspunkt gibt es immer. Angenommen du bist Schlafforscher*in. Dann könntest du darüber kommunizieren, wie sich Krisen wie diese auf den Schlaf des Menschen auswirken. Und am besten gleich Ideen mitliefern, was Menschen tun können, um trotz der belastenden Situation nachts wieder besser zu schlafen.

Oder du bist Kommunikationswissenschaftler*in. Du kannst darüber schreiben, bloggen oder podcasten, ob und wie die Coronakrise unser Kommunikationsverhalten verändert. Weil wir mehr über digitale Kanäle kommunizieren. Mehr Videochats nutzen. Uns häufiger ein „Bleib gesund“ wünschen.

 

Achte auf deine emotionalen Bedürfnisse und die deiner Zielgruppe

Es gibt immer wieder Momente am Tag, da ist einem nicht nach Kommunikation. Die eigenen Gefühle und Bedürfnisse hier bewusst wahrzunehmen, halte ich für wichtig.

Ich bin zum Beispiel morgens zuversichtlicher als abends. Daher fällt es mir vormittags leichter zu twittern oder mich an einen Blogartikel zu setzen.

Ignoriere solche Gemütszustände daher nicht. Natürlich ist es nicht immer möglich, gerade die beste emotionale Verfassung für Wissenschaftskommunikation von Zuhause zu nutzen. Weil Kinder in diesem Moment Aufmerksamkeit fordern oder gerade ein Videomeeting mit den Kolleg*innen ansteht.

Es geht erstmal nur um das Bewusstsein dafür. Überlege dir auch, welche Bedürfnisse die Menschen haben, mit denen du kommunizieren möchtest. Du könntest Inhalte erstellen, die sie beruhigen, informieren oder sogar ein bisschen zuversichtlicher machen.

 

 

Vermittle mit Wissenschaftskommunikation von Zuhause Stabilität

Viele von uns verspüren in diesen Tagen ein verstärktes Bedürfnis nach Sicherheit und Stabilität. Wir suchen Halt und Orientierung in verunsichernden Zeiten. Der tägliche NDR-Info-Podcast mit Christian Drosten erfüllt dieses Bedürfnis zum Beispiel. Der Podcast greift jeden Tag zur gleichen Uhrzeit die für den Tag relevanten Themen auf.

Meine Kollegin Jutta Wergen von Coachingzonen bietet über Zoom eine tägliche gemeinsame Mittagspause für Promovierende an. Und gemeinsame Online-Pomodoro-Einheiten (Infos über Twitter). Eine Art virtuelles Coworking, um nicht allein vor sich hinzuarbeiten.

Vielleicht hast du auch eine Idee für ein Format, das dich und deine Wissenschaftscommunity in einen regelmäßigen Austausch bringt.

Und damit meine ich nicht, jetzt einen Podcast ins Leben rufen zu müssen. Es reicht schon ein täglicher kurzer Twitter-Chat zu einem bestimmten Thema. Oder ein Wochenthema, zu dem du immer morgens um 10 Uhr drei Tweets verfasst.

Wenn dir die tägliche Interaktion zu viel ist, führe das Format einmal in der Woche durch. Oder montags und freitags. Wichtig ist, dass du die Zeit kommunizierst, einhältst und damit verbindlich bist.

 

Verbinde Wissenschaftskommunikation mit Persönlichkeit

Warum so tun als sei alles in bester Ordnung, wenn es das nicht ist? Ja klar, vor allem junge Wissenschaftler*innen stehen unter großem Konkurrenzdruck. Ich verstehe die Angst, jetzt zuzugeben, dass etwas nicht so läuft wie geplant.

Aber jetzt sind da draußen so viele, denen es ähnlich geht.

Wenn du über deine Forschung kommunizierst, erzähle auch, wie die jetzige Situation deine Arbeit als Wissenschaftler*in beeinflusst.

Wie es sich von Zuhause arbeitet. Wie du von der Arbeit abschaltest. Welche Ideen in den eigenen vier Wänden entstehen. Das macht dich nahbar und vertrauenswürdig. Und stärkt die Bindung zu deiner Zielgruppe.

]Wenn du dich traust, überlege dir, Videos zu nutzen. Im aktuellen WISSEN3-Newsletter der ZEIT empfiehlt Hochschulberaterin Dr. Ute Symanski den Hochschulpräsident*innen Videobotschaften aufzunehmen. Für die Mitarbeitenden der Hochschule. Gegen die Isolation und um die Verbindung zur Hochschule zu stärken.

e kein anderes Medium deine Persönlichkeit transportieren. Authentizität ist in diesem Moment wichtiger als der perfekte Hintergrund oder Studiobeleuchtung.

 

Nutze Online-Tools, um in Kontakt zu bleiben

Wissenschaftskommunikation von Zuhause funktioniert nach innen und nach außen. Verschiedene Online-Tools können dir dabei helfen.

Wenn du mit deinen Kolleg*innen über neue Ergebnisse oder Experimente sprechen möchtest, lade sie zu einem Zoom-Meeting ein. Oder sprecht vorher ab, dass ihr alle ein Paper lest, das ihr den anderen dann im Videochat vorstellt.

Für kurze schnelle Fragen könnt ihr auch einen WhatsApp-Gruppenchat eröffnen. Oder ihr arbeitet über Google Drive an einem gemeinsam Ideen-Papier, in das jede*r zu jeder Zeit Notizen einfügen kann.

Jetzt ist auch eine gute Gelegenheit, Kontakt zu Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aufzubauen, die sonst schwer zu erreichen sind. Am einfachsten gelingt das über Twitter. Die 7 Tipps für wissenschaftliches Networking auf Twitter können dir dabei helfen.

 

Konferenz abgesagt und jetzt? Forschungsergebnisse online teilen

Der wissenschaftliche Betrieb steht still. Nicht nur in der Lehre. Auch Forschungsprojekte sind ausgesetzt und wissenschaftliche Konferenzen und Symposien abgesagt. Du sitzt vielleicht in diesem Moment wie viele andere im Homeoffice. Und versuchst, so gut es geht, online mit der akademischen Welt verbunden zu bleiben.

]Du hast eventuell noch vorbereite Folien für einen Konferenzvortrag, die nun unbeachtet auf dem Laptop liegen. Oder dich darauf gefreut, dich mit Kolleg*innen aus aller Welt auf dieser einen wichtigen Konferenz auszutauschen.

Ich habe mir ein paar Ideen überlegt, wie du trotz der aktuellen Situation Poster und Forschungsergebnisse online teilen kannst. Damit deine Forschung mehr denn je online sichtbar wird.

 

5 Ideen wie du deine Forschungsergebnisse online teilen kannst

1. Teile dein Poster oder die Key-Takeaways deines Vortrags online

Twitter ist eine tolle Plattform, um deine Forschungsergebnisse online zu teilen.

Veröffentliche dein Poster in einem Tweet als Bild. Damit der Tweet nicht zu schnell in der Timeline deiner Follower verschwindet, pinne ihn an. Klicke oben rechts auf den kleinen Pfeil deines Tweets. Wähle „An dein Profil anheften“ aus. Fertig! Er erscheint als „Angehefteter Tweet“ ganz oben in deinem Profil.

Wenn du mehrere Poster veröffentlichst, kannst du deine einzelnen Poster-Tweets mit der Funktion „Moments“ sammeln. Und diesen „Moment“ wiederum als angehefteten Tweet sichtbar machen.

Du darfst oder möchtest deine Poster nicht online teilen? Dann teile die Key-Takeaways deines Vortrags mit deinen Followern. Verpacke nur einen einzelnen Gedanken in einen Tweet. Erstelle einen Thread, um einzelne Ergebnisse als zusammenhängendes Gedankengebäude darzustellen.

Nutze unbedingt in jedem Tweet den Hashtag der Konferenz, wo du deine Forschung präsentiert hättest.

 

2. Schau dir an, wer unter dem Konferenzhashtag twittert

Wenn deine Konferenz als physische Veranstaltung nicht stattfindet, bring in Erfahrung, ob sie ins Netz verlegt wurde. Oder zumindest Teile davon. Selbst wenn sie komplett ausfällt, recherchiere den ursprünglichen Konferenzhashtag.

Schau dir an, wer unter dem Hashtag der Konferenz twittert. So entdeckst du interessante neue Menschen. Du kannst ihnen einfach nur folgen oder dich direkt an sie wenden. So wie du die Person auch auf der Konferenz angesprochen hättest.

Stell der Kollegin oder dem Kollegen eine Frage zum Inhalt des Tweets. Oder informiere dich, welche Themen und Forschungsergebnisse sie oder er auf der gemeinsamen Konferenz präsentiert hätte. Du kannst dich auch per E-Mail bei der Person melden. Und darauf hinweisen, dass ihr euch unter anderem Umständen begegnet wärt.

Ich gehe fest davon aus, dass die meisten sich freuen, auf diesem alternativen Weg zu kommunizieren.

 

3. Lade deine Folien bei SlideShare hoch

Deine Präsentation liegt fix und fertig auf deinem Computer, aber der Vortrag ist abgesagt? Dann lade sie online bei SlideShare hoch. SlideShare ist ein Filehosting-Dienst zum Tauschen und Archivieren von Präsentationen, Dokumenten, PDFs und Videos. Die Seite hat Millionen Nutzer*innen und funktioniert wie eine Suchmaschine für Präsentationen.

Du kannst die Präsentation außerdem in deinen Blog einbetten oder den Link bei Twitter oder LinkedIn posten.

 

 

Du kannst die Präsentation außerdem in deinen Blog einbetten oder den Link bei Twitter oder LinkedIn posten.

4. Halte deinen Vortrag bei dir im Büro

Deine Zuhörer*innen können nicht zu deinem Vortrag kommen. Aber du kannst deinen Vortrag zu deinen Zuhörer*innen bringen. Stell eine Kamera auf – dein Smartphone auf einem Stativ reicht auch –, sorge für einen guten Ton und gutes Licht und zeichne deinen Vortrag per Video auf. Bei dir im Büro oder zu Hause im Homeoffice.

Lade das Video bei YouTube hoch und teile den Link mit deiner Wissenschaftscommunity auf Twitter oder LinkedIn. Vielleicht stellen die Konferenzorganisator*innen sogar ihre Website zur Verfügung, auf der Vortragsvideos gesammelt und veröffentlicht werden. Ähnlich wie oben in dem Poster-Beispiel von der Jahrestagung der Gesellschaft für Hochschuldidaktik. Frag doch einfach einmal nach!

 

5. Schreibe einen Blogpost über deinen Vortrag

Die YouTube-Variante ist nichts für dich? Dann verfasse einen Blogpost über dein Konferenzthema. Solltest du keinen eigenen Blog haben, können die drei wissenschaftlichen Blogportale de.hypotheses.org, scienceblogs.de oder scilogs.spektrum.de eine Alternative für dich sein.

Du kannst deinen Vortrag in einen oder mehrere Blogposts aufteilen. Achte darauf, dass du auch hier die Key-Takeaways in den Mittelpunkt stellst. Ein 1:1 verschriftlichter Vortrag ist kein Blogpost. Benutze Zwischenüberschriften, mache viele Absätze, füge Bilder ein. Denke auch an Suchmaschinenoptimierung, damit dein Artikel über Google gefunden wird.

Wenn du den Blogpost schreibst, bevor die Konferenz stattgefunden hätte, kannst du den Link zu deinem Artikel zum eigentlichen Konferenzdatum per Twitter verbreiten. Und denk immer dran, den Konferenzhashtag zu nutzen!